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"CANTO GENERAL" IM IRODION (ATHEN)






Triumph für Theodorakis


Photo: Petra Folkerts


Fünftausend begeisterte Zuhörer erlebten am Sommerabend des 17. Juli 2012, 40 Jahre nach der Uraufführung von "Canto General", eine einzigartige Aufführung dieser Komposition von Mikis Theodorakis nach Texten von Pablo Neruda im restlos gefüllten Odeon des Herodes Atticus.

Mit dabei waren zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, auch der griechische Kulturminister Konstantinos Arvanitopoulos.

Unter der Leitung des temperamentvollen Dirigenten Lukas Karytinos sangen die Vokalsolisten der Uraufführung Maria Farantouri und Petros Pandis. Ausgezeichnete Musiker spielten Theodorakis Originalversion der Instrumentierung.

Mehrere Höhepunkte ließen diesen Konzertabend zu einem besonderen und unvergesslichen Erlebnis werden: Da war zum einen die Anwesenheit der Jahrhundertpersönlichkeit Mikis Theodorakis, der mit nicht enden wollenden Ovationen des Publikums empfangen und mit Hochrufen verabschiedet wurde.

Da waren ferner Maria Farantouris schöne dunkle und warme Stimme und der kraftvoll ausdrucksstarke und klare Gesangsstil von Petros Pandis, die beide Theodorakis Vorstellungen von Gesangskunst adäquat umsetzten, und der spontane musikalische Dialog zwischen Karytinos und Pandis, die „La United Fruit Co.“ und „América insurrecta“ zu einer anscheinend soeben entstehenden musikalischen Lebendigkeit verhalfen, die wie improvisiert wirkte. Hierfür dankten ihnen die Zuhörer wiederholt mit Zwischenbeifall.

Da war zum anderen die rhythmische Präzision der Perkussionistinnen, unter ihnen herausragend die junge Eleni Kamvysidi an den Pauken, die mit auffallend konzentrierter Musikalität ein wesentlicher Bestandteil von Tempo und Dynamik des Canto General wurde. Und schließlich waren da die Chorsängerinnen und -sänger, die ihren umfangreichen Part aufmerksam, nie schleppend, abgestuft und differenziert in ihrer Stimmgebung bewältigten.

Vor den Liedern rezitierte Tasos Nousias die ins Griechische übersetzten Neruda-Texte mit engagierter Körperhaltung und einer Sprechkunst, die spontan die Inhalte vergegenwärtigte.

Einen bedeutenden Anteil am hervorragenden Gesamteindruck dieser Aufführung hatten die Tonmeister. Ihre Beschallung des Odeon, ausgewogen in der Lautstärke, sorgte an diesem Abend für einen transparenten und wohltuenden Klang, wodurch die Technik sich für viele Großveranstaltungen in anderen Städten Europas als vorbildhaft auswies.

Die einzigartige Botschaft von Musik und Text des Canto General - ein Ruf nach Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, Freiheit der Völker - erhielt durch diese Aufführung eine besondere Aktualität und wurde von den atemlosen Zuhörern angenommen und verstanden. Für sie bleibt durch Mikis Theodorakis Musik ein bewegender Konzertabend unvergessen - zwölf Tage vor dem 87. Geburtstag des Komponisten.

© Gerhard Folkerts, 22. Juli 2012



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