Ich habe das Glück gehabt, mit bedeutenden Dichtern zusammenzuarbeiten, so daß die Texte meiner Lieder mit ihrer Aussage als zeitlos gelten können. Als diese Texte übersetzt wurden, wunderten sich viele, daß bei den Griechen diese "unpolitischen" Lieder eine "revolutionäre Stimmung" erzeugten. Die Erklärung hierfür gilt noch heute: Es gibt immer mehr Diktaturen. Dabei sind alle namhaft gewordenen Regimes - Hitler, Mussolini, Papadopoulos, Ceaucescu, Breshnew - nur die Spitze des Eisbergs. Die alltägliche Diktatur existiert in unserer Gesellschaft, in uns, um uns herum, in den Familien. Und ich glaube, dass es keinen effektiveren Antikörper gegen die Diktatur gibt als die Musik. Die Musik macht die Menschen schöner, humaner. So offenbaren diese Lieder, zwanzig Jahre nach ihrer Entstehung, ihre eigentliche Dimension; selbst jene, die ich während der Juntazeit schrieb. Sie wenden sich heute an den nachdenklichen, sensiblen, modernen Menschen, der in sich einen Riss spürt. Und ich glaube, daß jeder Mensch einen Riss im Inneren hat, denn nur der Zweifel lässt den Menschen voranschreiten.
© Mikis Theodorakis (in einem Interview 1991)
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