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Über den »Canto Olympico«




Der Auftrag zur Komposition eines den Olympischen Spielen von Barcelona gewidmeten Werkes kam vom Internationalen Olympischen Komitee.

Aus dem zunächst umfänglichen Szenarium, das mir der Präsident des IOC, Herr Samaranch vorschlug, entnahm ich allerdings nur die Idee, ein Werk über die Geschichte der Olympischen Spiele zu schreiben.

Beim Komponieren liess ich mich von der Überlegung leiten, dass Inhalt und Form eines Musikwerks, das sich möglicherweise an Millionen von Sportfreunden wenden sollte, einfach sein musste, dem Lied so nahe wie nur möglich.

Aus diesem Grund wählte ich als Form die Suite und als "Inhalt" das Lied; die orchestrale Ausgestaltung ist dementsprechend schlicht.

Etwas Ähnliches hatte ich bereits 1987 mit dem ZORBAS-Ballett erfolgreich versucht. Die Verwendung früher geschriebener melodischer Motive - also meiner Lieder - sowohl in dem einen wie in dem anderen Werk, ist keineswegs als Rückwendung zu interpretieren, sondern dokumentiert meine Überzeugung, dass meine Lieder, abgesehen vom Erfolg nach ihrer Erstveröffentlichung, zum Teil zumindest von unvergänglichem Wert sind.

Und so ist der CANTO OLYMPICO, wie ich das Werk schließlich genannt habe, eine symphonisch-orchestrale Suite in sieben Sätzen.

Es wirken drei Solisten mit: ein Tenor, ein Bariton und ein Pianist. Und der Chor spielt, ähnlich wie im CANTO GENERAL, eine herausragende Rolle; und wenn ich von Chor spreche, meine ich die Bedeutung des poetischen Textes.

Philosophisch, aber auch formal, zielt der CANTO OLYMPICO nicht einfach auf die Förderung der olympischen Idee, sondern auch auf die Dimension der Ewigkeit, die in der Seele des griechischen Volkes wurzelt, das diese Idee hervorbrachte. Wie meine letzten beiden Werke, die Oper MEDEA und das ZORBAS-Ballett, hat auch der CANTO OLYMPICO einen hellenozentrischen Kern, der sowohl meinem Charakter als auch meiner Erziehung entspricht.

Zum Schluss möchte ich meinen Kollegen danken, die mir bei der Entstehung des Werkes zur Seite standen: Dimitra Manda, Lukas Karytinos, Andonis Karageorgiou, Frangiskos Voutsinos, Elena Mouzala, Vangelis Chatzisimos. Dank auch dem Sinfonischen Orchester sowie dem Chor des Staatlichen Griechischen Rundfunks und deren Dirigenten Vassilis Riziotis.


© Mikis Theodorakis, 1992


CANTO OLYMPICO, AST 287

1. Hymnen (Dimitra Manda)
Ode an Zeus
Ode an Apollon
Ode an den ersten Olympiasieger
2. Die Olympischen Spiele (Mikis Theodorakis)
Vorbereitung
Die Wettkâmpfe beginnen
3. Sieg (Mikis Theodorakis)
4. Krieg (Mikis Theodorakis)
5. Der Niedergang der Spiele, Das Mittelalter, Olympa und Olympische Idee (Dimitra Manda)
6. Wiedergeburt der Olympischen Spiele
Der Beginn einer neuen Epoche (Dimitra Manda)
Vereint euch, ihr Felsen (Mikis Theodorakis)
7. Hymne an die Heimaterde (Dimitra Manda, Mikis Theodorakis)
UA: 23.7.1992: Liceo Barcelona (5. Teil)
2.8.1992 Festival de Cathage, Tunesien (Integrale)
Vangelis Hadjissimos, Frangiskos Voutsinos (Gesang), Elena Mouzala (Klavier)
Orchester und Chor der ERT, Dir.: Loukas Karytinos

   


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