Sie befinden sich hier Werke Byzantinische Musik

Über die "Göttliche Liturgie - Thia Liturgia"





Thia Litourgia
Es besteht kein Zweifel, dass im neohellenischen Musikuniversum, die kirchliche, die byzantinische Musik, den ersten Platz innehält, auch wenn die Griechen selbst sich dessen nicht bewusst sind.

Er braucht nur die Stunden zusammenzuzählen, die er aus diesem oder jenem Grund in der Kirche verbracht hat, auch wenn er nicht das ist, was man einen religiösen Menschen oder einen Kirchgänger nennt: Taufen, Hochzeiten, Begräbnisse, Karwoche, Sonntagmorgen, Feste und Doxologien (Messen zu Festlichkeiten): so ist das Gewebe seines musikalischen Gedächtnisses in breitem Maße durch die Klänge der Kirche geformt. Hymnen, Psalmen, aus vor-byzantinischer Zeit, oder auch aus Nach-Byzanz: das ist es, was man als zeitgenössische kirchliche Musik bezeichnet.

Ob er es will oder nicht: der neo-hellenische Komponist ist musikalischen Einflüssen ausgesetzt. Das Volkstümliche hat er schon in seine Lieder eingehen lassen. Was von den Musikschulen ins Feld geführt wird, ist, dass der belesene Mensch dabei ist, wie man behauptet, sein nationales musikalisches Gedächtnis und besonders die byzantinische musikalische Tradition zu vergessen. Als ob es möglich wäre, dass es Konservatorien gibt, wo man sowohl die byzantinische Musik als auch unsere musikalische demotische Tradition zu hundert Prozent ignoriert!

Persönlich hatte ich das Glück, seit meiner Kindheit von Kirchenmusik durchtränkt zu werden.

Als Schüler der Volksschule in Argostoli, beteiligte ich mich am Kirchenchor, den der Metropolit jedes Jahr für die liturgischen Gesänge des Karfreitags zusammenstellte. Jetzt das ich diese vollständig in meine Dritte Symphonie eingebracht habe, kann ich behaupten, dass ich das Gefühl habe, eine mit meinen größeren Schulden gegenüber dem erfüllt zu haben, was ich als "neromana" (die Mutter des Wassers) unseres musikalischen und nicht nur musikalischen Gedächtnisses, ansehe, nämlich die byzantinische Tradition.

Nach Argostoli, Patras und Pyrgos, habe ich mich immer an einem Kirchenchor beteiligt, um zu guter Letzt, in Tripolis (1940-43) selbst den Chor der Heiligem Barbara zu leiten. Es war in dieser Zeit, da ich meine ersten Versuche in Kirchenmusik gemacht habe. SE YMNOUMEN (Dich lobt man), CHEROUVIKA (Cherub), DOXOLOGIA, und als Höhepunkt, 1942, der Komposition von "KASSIANI", die ich auch heute noch als eines meiner erhabensten Werke ansehe.

Seit dieser Zeit beschäftigte mich die Frage der Komposition einer kompletten Liturgie. Es fehlte mir aber dazu die Reife, da ich immer glaubte, dass ein solches Werk, das dazu bestimmt war, sonntags in den Kirchen gesungen zu werden, gleichzeitig außergewöhnlich einfach, volkstümlich, dicht und auch andächtig sein müsse, damit es möglich sei, dass es von Leuten gesungen würde, die keine besonderen musikalischen Kenntnisse haben.

Aus diesem Grund, habe ich die Triphonie - den dreistimmigen Gesang - gewählt. Eine besonders einfache Triphonie, eher für Amateure als für Berufssänger gedacht. Natürlich war das wichtigste Problem, eine musikalische Welt zu schaffen, die zugleich feierlich und harmonisch war, ohne sich vom Rahmen der Tradition zu entfernen, aber der Kirchenmusik etwas Neues geben würde. Das Urteil hierüber steht wie immer dem Volk und der Zeit zu.

Die Komposition des Chorteiles verdankt viel der Existenz des gemischten Chores von Antoni Kontogeorgiou, für den diese Musik geschrieben wurde.

Seit sehr langem war es mein Traum, volkstümliche Sänger zu verwenden, entweder für die Ausführung der byzantinischen, aber mit volkstümlichen Instrumenten orchestrierten Hymnen, oder aber für die Vorstellung der Kompositionen, die durch unsere Kirchenmusik inspiriert sind, so wie dies der Fall für die Liturgie ist.

So hat sich dank der Teilnahme von Manolis Mitsias an diesem Werk einer meiner Träume verwirklicht.


© Mikis Theodorakis. Übertragung: © Guy Wagner


THIA LITURGIA (MISSA GRECA), AST 255
Komposition: November 1982-Januar 1983 in Athen
19 Teile
UA: 27.3.1983 in Tripolis (Peloponnes)
Manolis Mitsias, gemischter Chor, Dir.: Antonis Kontogeorgiou





| Druckfreundliche Ansicht | Diesen Artikel empfehlen |