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JUBEL UM THEODORAKIS UND SEINE KOMPOSITIONEN









Nach dem Requiem



Jubel um Theodorakis



Photos: Petra Folkerts

Als der aus Athen angereiste 87jährige Mikis Theodorakis am Freitag abend kurz nach 19.30 Uhr den voll besetzten Großen Saal im Konzerthaus Wien betrat, wollte der Beifall nicht enden. Standing ovations und Hochrufe auf diesen Komponisten, der mit seiner Musik die Menschen reich und glücklich macht. Bewegt dankte der Komponist dieser Bekundung der Sympathie, die seinem Werk und seiner unbeugsamen Persönlichkeit entgegengebracht wird.

Das folgende Konzertprogramm entfaltete die Vielfalt und den Reichtum von Theodorakis umfangreichen Schaffen und machte die Quellen hörbar, die Ursprung und Kraft seiner Kompositionen bilden: byzantinische Musik, griechische Volksmusik und westeuropäische Sinfonik.

Das von Stefan Vladar hervorragend geleitete Wiener Kammerorchester eröffnete zusammen mit der Mezzosopranistin Lisa-Maria Jank und der Wiener Singakademie das Programm mit dem 3. Satz, der "Byzantinischen Hymne", aus Theodorakis 3. Sinfonie. Die ausdrucksstarke Melodie und die harmonischen Klangfarbe offenbaren: Theodorakis zählt zu den bedeutenden Melodikern unter den sinfonischen Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts. Seine Art zu komponieren erreicht die Zuhörer und öffnet den Dialog zwischen Publikum und Komponisten.

Nach der "Byzantinischen Hymne" sang Maria Farantouri, begleitet vom Wiener Kammerorchester, Theodorakis "Mauthausen"-Kantate und weitere Lieder aus dem reichen Repertoire des Komponisten. Schön klang die dunkle Tönung ihrer Stimme. Ihre Interpretation von „Lied der Lieder“ bleibt unvergesslich.

1983-1984 hatte Theodorakis sein "Requiem" im Gedenken an den Tod seines von ihm verehrten und geliebten Vaters komponiert. Theodorakis aber möchte, dass seine Erinnerungen nicht nur private, sondern auch uns betreffende konkrete oder geschichtliche sind: daher widmete der Komponist diese Totenliturgie dem Gedenken der Menschen Kalavrytas, die 1943 getötet wurden.

Theodorakis "Requiem" bildet in dieser Form eine kompositorische Neuheit für die byzantinische Musik. Erstmals singen auch Frauenstimmen und ein Kinderchor, der mit seiner Helligkeit und vorwärtsdrängenden Dynamik einen Kontrast bildet zu Stillstand und Todesdunkelheit. Zudem komponiert Theodorakis eine die Vokalstimmen begleitende Orchesterpartitur. All dies ist für Aufführungsformen dieser Gattung byzantinischer Musik unüblich.

Mit dem schönen Timbre ihres farbenreichen Mezzosoprans meisterte Lisa-Maria Jank den vokalen Hauptpart ausgezeichnet. Mit ihr und der präzise agierenden Wiener Singakademie und dem Kinderchor der Gumpoldskirchner Spatzen interpretierten Daniel Serafin, Bariton und Mara Mastalir, Sopran, differenziert und überzeugend.

Am Ende dieses Konzertabends stand das Finale der "Zorba"-Ballettmusik. Wie ein musikalisches Symbol dieses Komponistenlebens erklang das Werk als Ausdruck von Hoffnung, Zweifel, Lebensfreude, Angst und Kampf für ein besseres Leben.

Mit bewegendem, lang andauerndem Dank des minutenlang begeistert applaudierenden Auditoriums an die Jahrhundertpersönlichkeit Mikis Theodorakis und sein lebendiges Werk schloss dieser einmalige Abend.


© Gerhard Folkerts 15. Dezember 2012


Auf YouTube 32 Minuten des Konzerts mit Maria Farantouri
http://www.youtube.com/watch?v=5t2cE63WOCM





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