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MICHAEL CACOYANNIS GESTORBEN







Michael Cacoyannis


Michael Cacoyannis, eigentlich Michalis Kakoyannis, geboren am 11. Juni 1922 in Limassol (Zypern), gestorben am 25. Juli 2011 in Athen an den Folgen einer Herzattacke, war ein zypriotisch-griechischer Filmemacher.

Nach frühen Tätigkeiten als Jurist, Radioschaffender für BBC während des Zweiten Weltkrieges und Schauspieler profilierte sich Cacoyannis in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als einer der bedeutendsten griechischen Kulturschaffenden überhaupt.

Mit seiner Karriere als Filmemacher ist nebst anderen ausgezeichneten Leistungen der Aufstieg der Schauspielerinnen Melina Mercouri und Irene Papas zu Weltruhm verbunden, aber auch die Popularität des Sirtaki-Tanzes gemäss der unvergesslichen Melodie des Komponisten Mikis Theodorakis im Film “Alexis Sorbas” von 1964.

Mit diesem Welterfolg erlangte Cacoyannis’ Hauptdarsteller Antony Quinn ein Format, wie es dieser sonst nur noch in den Filmen “Viva Zapata” (1951) von Elia Kazan, “La Strada” (1957) von Federico Fellini und in späten Jahren als Hauptdarsteller in der Verfilmung von “Der alte Mann und das Meer” erreicht hatte. Mit “Alexis Sorbas” brachte es Cacoyannis zu insgesamt drei Oscars, was von einem griechischen Regisseur seither nicht mehr erreicht wurde.

Dabei liegen die tiefste Bedeutung und der höchste künstlerische Rang von Cacoyannis wohl in der Verfilmung griechischer Tragödien.

So zum Beispiel in “Elektra” nach Euripides mit Irene Papas in der wohl intensivsten Rolle ihres Lebens. Unvergesslich, wie sie ihre lange schwarze Haarpracht mit einem Messer abschneidet und zum Zeichen der Rache für ihren ermordeten Vater Agamemnon vor den Tempel wirft.

In vergleichsweise kongenialer Weise ist der Geist der griechischen Tragödie wohl kaum je in der modernen Zeit umgesetzt worden. Für diesen Film erhielt Cacoyannis 1962 am Filmfestival von Cannes den Preis der Jury.
Auch die “Troerinnen” (1971) mit Vanessa Redgrave, Katherine Hepburn und Irene Papas gehören zu den stärksten Umsetzungen griechischer Mythologie in die Filmsprache.

Eine späte Verfilmung (1977) dieser Art gilt dem schon von Goethe gepflegten Motiv der Priesterin Iphigenie, welche Cacoyannis durch die damals erst dreizehnjährige Tatiana Papamoschou zur Darstellung brachte, abermals mit einer einzigartigen Irene Papas, diesmal als Klytämnestra.

In Hollywood hat sich indes Michael Cacoyannis nicht durchsetzen können. Ein grosses Projekt mit Marlon Brando und Liz Taylor, das für ihn hätte in Frage kommen können, “Reflections in a golden Eye” (1967) wurde schliesslich von John Huston realisiert.

In den letzten Jahrzehnten wurde es um Cacoyannis zunehmend ruhiger. Seine Werke, die um Mitte der fünfziger Jahren mit “Wind über Athen” und “Stella” anheben, fallen für die Filmgeschichte qualitativ stärker ins Gewicht als quantitativ. Wie wenige hat Cacoyannis dazu beigetragen, das mediterrane wie auch hochkulturelle “Image” Griechenlands europaweit und weltweit zu befördern.

Als begnadeter Künstler mit Sinn für das Dramatische und Tragische muss er sich wie kaum ein anderer neugriechischer Kulturschaffender vor seinen grossen antiken Vorbildern Aeschylos, Sophokles und Euripides nicht verstecken.

Sein Rang ist den von ihm geförderten grossen Schauspielerinnen, aber auch dem des Komponisten Mikis Theodorakis und des Schriftstellers Nikis Katzantzakis (”Alexis Sorbas”) mindestens gleichwertig. “Euripides ist ein engagierter Kämpfer gegen den Militarismus, gegen Ungerechtigkeit und Gewalt”, sagte der Filmautor. Die Jahre zwischen 1967 bis 1974 verbrachte er wegen der Militärdiktatur wie Theodorakis im Exil. “Ich habe seine Dramen aufgegriffen, um zu zeigen, wie uns die Kette des Hasses zerstört, immer noch.” Euripides bleibt wohl der bedeutendste griechische Dramatiker aller Zeiten.

In einer Zeit, da der Ruf Griechenlands wie noch nie in der neueren Geschichte auf dem Spiel steht, ist die Erinnerung an den im Alter von 89 Jahren verstorbenen Filmautor Michael Cacoyannis ein Hinweis auf einen einzigartigen Beitrag Griechenlands zur modernen europäischen Kultur.

Nach Dr. phil. Pirmin Meier, Gymnasiallehrer und Schriftsteller, Beromünster/Schweiz ("Lebendige Erinnerung")

siehe auch: Theodorakis über Cacoyannis





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