Mikis Theodorakis, unbestreitbar eine der bedeutendsten Persönlichkeiten Griechenlands, der im 2. Weltkrieg, im griechischen Bürgerkrieg und während der Diktatur der Obristen unter vielfachem Einsatz seines Lebens, Kerker, Folter und Verbannung erlitten hat, ist nun ins Fadenkreuz zweier linksextremistischer Terrorklüngel ("Vereinigung der Zellen des Feuers", „Terroristische Partisanengruppe“) geraten, die in den vergangenen Monaten mehrere Brandanschläge auf Politikerwohnungen in Athen verübt haben.
Wie Vassilis Vassilikos (Autor von “Z”) und Mimis Androulakis, sei er dafür bezahlt worden, „einige Tage im Gefängnis zu verbringen“, um danach Minister zu werden, nicht ohne während der Diktatur „ein gutes Leben in Paris“ geführt zu haben, heißt es in einem so genannten „Bekennerschreiben.“ Zudem gehöre der Komponist „zu den Grabräubern des Denkens und des Intellekts“, die „den Kreis des Kulturvolkes dominieren“ (sic!???).
Theodorakis hat souverän, da ironisch-sarkastisch reagiert.
In einer „öffentlichen Reueerklärung" an die Terroristen, geschrieben am 17. November, dem Tag des Aufstands gegen die Junta am Polytechnikum 1973, meint Theodorakis voll bissigen Sarkasmus': „Meine jungen Helden, ich bin stolz auf Euch!“ Er sehe sie als „die wahren Nachfahren von Kolokotronis, Androutsos und Aris Veluchiotis“ und als „die letzte Hoffnung unseres verratenen Volkes.“
Ihre öffentliche Verurteilung, habe ihm die Augen geöffnet, erklärt der Mann, der während der Juntazeit mehrere Monate in Haft saß, gefoltert wurde, ins Bergdorf Zatouna isoliert und ins KZ Oropos gesteckt wurde, bevor er, auf Druck der internationalen Öffentlichkeit, ins Exil ins Ausland gehen musste, und bekennt sich "schuldig": Mit ihrer „mutigen Proklamation" hätten ihm die Terroristen die Augen geöffnet: „ Ich gestehe, wenn auch zugegebenermaßen sehr spät, dass ich ein Verräter war, ein Kollaborateur der Junta und der volksfeindlichen Rechten.“
Zu dieser Stunde möchte er deshalb „reumütig“ seiner „gerechten Strafe" zugeführt werden, fährt er weiter und gibt den Terroristen eine Wegbeschreibung: „Mein Haus steht in einer kleinen Seitengasse der Garibaldistraße, in der Epifanous 1. Von dem Zimmer aus, in dem ich mich gewöhnlich zum Schlafen hinlege, schaue ich auf den Hang des Philopappous-Hügels."
Von dort sei es ein Leichtes, einen Brandsatz in seine Wohnung zu feuern und ihn „bei lebendigem Leib zu verbrennen" aber so von seinen Gewissensbissen zu befreien, erklärt Theodorakis und fügt hinzu:
„Ich werde, um Euch dabei behilflich zu sein, die Fenster weit offen stehen lassen“. Zwar riskiere er dabei eine Grippe zu holen, aber was zählten schon solche nebensächliche Details, wenn man es mit terroristischen - Rächern zu tun habe.
Je vous remercie (Ich danke euch), schließt er sarkastisch auf französisch, weil ihm ja vorgeworfen wird, während der Diktaturzeit ein „gutes Leben" in Paris geführt zu haben.
Theodorakis kommt allerdings nicht ohne ein Postskriptum aus: „Armer Papadopoulos, wo bist du, dich deiner Saat zu erfreuen?“
Wortlaut
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