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Rhapsodien





Rhapsodies


MEDITERRANE IMPRESSIONEN

Mit dem Namen Mikis Theodorakis assoziieren nicht wenige neben der musikalischen Leistung seine politischen Aktivitäten im zeitweise diktatorischen Griechenland.

Die Verbindung von Musik und Politik ist durchaus herstellbar, nicht zuletzt in der Entscheidung des Komponisten, sich dem Hörer zuzuwenden und eine Abkehr der sogenannten Avantgarde in Kauf nehmend. Bekannt wurde der griechische Tonsetzer vor allem durch seine Lieder, so dass seine Sinfonien nicht selten völlig untergehen. Sich über die musikalischen Entscheidungen des Komponisten Theodorakis zu Äußern ist wenig sinnvoll, wenn man nicht auf seine politischen Erfahrungen und Überzeugungen eingehen möchte, welche nicht zuletzt durch seine Sympathie zum Kommunismus geprägt wurden. Doch bei Rhapsodien geht es selten um politische Meinungen. Sie stellen oft eine fragmentarische Zusammenstellung von musikalischen Eindrücken dar, welche sich nicht selten aus bereits komponiertem Material zusammensetzen. In diesem Geist kommen auch die Rhapsodien Theodorakis daher, denn die kurzen Stücke wirken wie viele kleine Ideen, die vorgestellt werden.

Die neun Sätze der Rhapsodie für Cello und Orchester sind nach den neun Musen der griechischen Mythologie benannt, wenn auch ihre bekannteren lateinischen Namen angegeben werden. Das musikalische Material stammt aber aus früheren Liedern, und oft finden sich einzelne Phrasen in mehreren Stücken wieder. Durch das relativ eng geführte Orchester und die starke Eingrenzung des Materials sowie dem Pendeln zwischen zwei Tonarten in den ersten sechs Stücken scheint die Musik sich vor allem um sich selbst zu drehen. Das lässt sich aber auch positiv formulieren: Die Musen stehen trotz ihrer unterschiedlichen Aufgaben einer obersten Idee zu Diensten – den Künsten. Reizvolle Ideen und harmonische Verschiebungen sorgen für eine Abwechslung, die sich allerdings immer sehr eng innerhalb eines festgesteckten Aktionsradius zu befinden scheint.

Innerhalb dieses Aktionszirkels probiert Sebastian Hess die Grenzauslotung. Der erste Einsatz besticht bereits durch das Vibrato, welches zum Hauptcharakteristikum der tiefen Lagen wird. Der dadurch sanfte Ton passt sich in angenehmer Weise dem Orchesterklang an, welcher bereits durch die Orchestrierung Theodorakis’ als sehr warm empfunden wird. Unterbrochen wird diese Wärme nur durch die kurzen Läufe mit großen Sprüngen. Der dabei entstehende Kontrast mit seinem fast obertonlastigen Charakter wird durch das umfangreiche Lagenspiel mit dem für Celli typischen Klang quasi verbunden. Dass schnelles Lagenspiel auch in sanften Klängen geht, beweißt Hess im Satz der Uranie, wo sich die Sololinie oft hinter die Bläser zurückzieht. Aber nicht nur in den lyrischen Passagen weiß Hess zu überzeugen. Die fast schon schrulligen Einwürfe karikieren typische Staccati im Orchester, bei denen die Tonschönheit zur Nebensache wird. So bleibt das Cello im gesamten Werk nicht nur musikalisch sondern auch klanglich das leitenden Hörelement.

In ähnlichem Gewand erscheint die Rhapsodie für Gitarre und Orchester, welche einen sogar noch engeren Rahmen einhält. Die Gegenüberstellung der relativ leisen Gitarre und dem verhältnismäßig starken Orchester wurde auf der Aufnahme gut ausbalanciert. Da das Melodiematerial oft vom Orchester gespielt wird, während die Gitarre eine ihr spezifisch eigene Begleitstimme spielt, ergibt sich ein interessantes Geflecht als Gesamtklang. Es sollte aber hervorgehoben werden, dass sich der originale Klang der Gitarre hinter einem ausgeprägten Hall-Effekt verbirgt. Dadurch bekommt das Instrument einen zwar längeren aber wesentlich härteren Klang. Fraglich bleibt, ob das auch der Grund für die nur gering hervorgehobenen Akzente ist, wodurch das Gitarrenspiel von Franz Halasz wenig Relief bekommt. Da der dynamische Umfang der Gitarre im Zusammenspiel mit dem Orchester sowieso sehr eingeschränkt ist, hätte die eine oder andere Tempovariation mehr ausmachen können. Wahrscheinlich lag dies aber in den Händen von John Carewe, dem es zwar gelang, ein homogenes Gleichgewicht zwischen Soloinstrumenten (so auch bei der Rhapsodie für Cello und Orchester) und Orchester herzustellen, dann aber nicht mehr wagte, aus diesem Gleichgewicht auszubrechen. Die gesamte Rhapsodie plätschert über längere Passagen wie easy-listening-Hintergrund vor sich hin und bildet eher eine nette Begleiterscheinung für gesellige Abende, statt sich als ein aufmerksamkeitsforderndes Kunstwerk aufzustellen. Assoziiert man mit dieser Musik aber eine kühle Abendbrise bei einem Blick auf die Ägäis, erreichen Gitarre und Orchester ein Stimmungsbild der mediterranen Gelassenheit.

Obwohl die technische Aussteuerung des Klanges gut eingerichtet ist, bleibt das Gefühl, dadurch lässt sich der fehlende Tiefgang der Musik kaum ausgleichen. Zuviel darf man aber bei einer Rhapsodie nicht erwarten, da ihre Möglichkeit vor allem in der einfachen Struktur liegt. Ähnlich einer Serenade der Wiener Klassik ist die Rhapsodie eine anspruchsvolle Abendunterhaltung, der man gelegentlich die Aufmerksamkeit entziehen darf. Das Booklet bietet daher auch mehr Informationen über den Komponisten als über die Stücke selbst. Wem es beim Hören der Musik aber mehr auf die Ablenkung ankommt, statt neue musikalische Impressionen zu erleben, liegt mit dieser Aufnahme genau richtig.

Thomas Richter, 28.02.2007
klassik.com

Interpretation: **
Klangqualität: ***
Repertoirewert: **
Booklet: **



Sitedesign:
www.grafix.fr

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