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Die Metamorphosen des Dionysos





Dionysos


HELLAS DUNKLE JAHRE

Mikis Theodorakis ist sicher der bekannteste Komponist seines Heimatlandes Griechenland. Das dürfte vor allem der Filmmusik zu Alexis Sorbas zu danken sein, die nicht nur auf griechischen Festen allzeit gerne gespielt wird, sondern die in sinfonischen Fassungen und als Ballett auch Eingang in die Konzertsäle gefunden hat.

Auch seine ebenfalls in den 60er Jahren entstandenen Liederzyklen sind zu einem Symbol traditioneller griechischer Musik geworden. Seine Opern dagegen, sämtlich entstanden nach 1985, gehören wenn überhaupt dann höchstens zu den Orchideenstücken des Bühnenrepertoires. Lobenswert ist es daher, dass Intuition, die Tochter des Theodorakis Herausgebers Schott, mit ‘Die Metamorphosen des Dionysos’ nun auch die erste seiner Opern aufgenommen hat. Im Jahr 2000 war der Komponist anlässlich seines 75sten Geburtstages von Schott mit einer Sonderedition der Ersteinspielungen seiner drei Opern ‘Electra’, ‘Antigone’ und ‘Medea’ geehrt worden. Sind diese drei Opern den großen Frauenfiguren der griechischen Antike gewidmet, sowie dem Andenken an Verdi, Puccini und Bellini, so verfolgen die Metamorphosen des Dionysos ein anderes Ziel.

Als politischer Aktivist und Freiheitskämpfer für Griechenland hat Mikis Theodorakis die Gefängnisse und Folterkammern wechselnder Regimes und Besatzer über sich ergehen lassen müssen und ist damit für viele Griechen seiner eigenen und der folgenden Generation zu einer Identifikationsfigur im Widerstand gegen die Unterdrückung geworden. Dieser biographische Hintergrund findet in Theodorakis eigener Deutung der Geschichte Griechenlands Eingang in sein Werk. Die Oper erzählt diese Deutung in den Worten und verknüpft mit dem tragischen Leben des Dichters Kostas Karyotakis. Dass diese nur in einer kritischen Auseinandersetzung mit den Auswüchsen der Macht bestehen kann, unter denen das griechische Volk in verschiedenen Herrschaftssystemen gelitten hat, ist angesichts der Biographie des Komponisten leicht nachzuvollziehen. Die Texte des Dichters und seine eigenen verbindet Theodorakis zu einer text-musikalischen Kollage.

Das große Thema Griechenland im vermeintlichen Wandel der Zeiten findet seinen musikalischen Ausdruck in der Verarbeitung verschiedener musikalischer Idiome. Die Revue beginnt und endet am Tage des Selbstmords Karyotakis. Dazwischen begegnet der Zeitreisende Dionysos den verschiedenen Herrschenden Griechenlands. Mit Bayernkönig Otto im 19.Jahrhundert, den britischen Besatzer nach dem 2. Weltkrieg bis zu einem Staatssekretär, der die zur Entstehungszeit Herrschenden repräsentiert, erlebt er groteske Szenen, die durch lyrische Passagen mit Texten des Dichters verbunden und kontrastiert sind. Dieser Gegensatz zwischen der Tragik der Karyotakisgedichte und der satirischen Texte Theodorakis macht das wesentliche Strukturmerkmal der Oper aus. Und ihren besonderen, untypischen Charme. Sie ist somit nicht nur eine Parabel auf die Auswüchse und die Suggestion der Macht, sondern auch auf das Verhältnis zwischen Kunst und Politik.

Die Aufnahme gibt die kammermusikalische Fassung des Werkes wieder. Sie wurde 1999 unter der Leitung Theodorakis’ beim Rundfunk Berlin-Brandenburg eingespielt. Das Orchestra di Musica Difficile agiert sehr präzise und wo nötig mit dem geforderten ‘griechischen’ Wehmut. Der positive Eindruck wird vom Sängerensemble bestätigt, das von wenigen Unsauberheiten abgesehen musikalisch und technisch begeistert.

Alexander Rapp, 01.02.2007
klassik.com

Interpretation: ****
Klangqualität: *****
Repertoirewert: ****
Booklet: ***







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