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07.10.06: Museum und Internationales Zentrum Theodorakis in Zatouna







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Von der Abgeschlossenheit zum offenen Raum

Vom 21. August 1968 bis zum 26. Oktober 1969, bedeutete das Dorf Zatouna für Mikis Theodorakis Isolation und Abgeschlossenheit. Dorthin hatte die verhasste Junta ihren unbeugsamsten Feind verbannt, um ihn weit von sich und der Welt, abgeschieden in einer schönen aber feindlichen Umgebung, festzuhalten.

Auch wenn Mikis bei seiner Ankunft den großen Gott Pan, seinen „Kindheitsfreund“ (Theodorakis), begrüßte, so wurde dieses Arkadien, das er in seiner Jugend so sehr geschätzt hatte, für ihn im Laufe der Wochen immer schmerzlicher durch die kontinuierlichen Kontrollen, die Leibesvisitationen, nicht nur für ihn aber auch für seine Frau Myrto und seine Kinder Margarita und Yorgos, und die täglichen Spaziergänge zwischen zwei Gendarmen: ein Bild, das um die Welt ging.

Und doch, geschah in Zatouna etwas, womit die Diktatoren nicht gerechnet hatten: der Widerstandsgeist von Theodorakis wurde noch stärker und sein schöpferischer Sinn fand eine neue Orientierung. In Zatouna entdeckte er seine musikalischen Quellen wieder, und wegen seiner körperlichen Einengung und seiner inneren Einsamkeit, war er noch besser in der Lage, diese genau zu erforschen.

So zählt denn auch der Zyklus „Arkadia“ zu seinen vielseitigsten, profundesten und reichsten Schöpfungen: Seine eigenen Gedichte, rührend in ihre Einfachheit für „Arkadia I“, eindrucksvoll durch die Kraft ihrer Verweigerung für „Arkadia VI“ (Päan; Dem unbekannten Dichter); die schmerzlichen Gedichte von Manos Eleftheriou (Der Basar des Mörders; Für die Mutter und die Freunde), die ergreifenden Verse von Manolis Anagnostakis (Ich rede; Charis 1944), die reichen „Oden“ von Kalvos, der erstaunliche „Überlebende“ von Takis Sinopoulos, aber vor allem Angelos Sikelianos' außerordentlicher „Marsch des Geistes“ ...

So viele Meisterwerke, die Mikis, trotz aller Überwachungen, aus seinem „Adlerhorst“ (Theodorakis) herausschmuggeln konnte und die beweisen, dass der Drang nach Freiheit stärker ist als die brutale Kraft der Unterdrücker und dass der Widerstandswille des Komponisten und Kämpfers alle Bemühungen seiner Feinde, ihn zu brechen, immer wieder zum Scheitern verurteilt hat.

Heute, 38 Jahre später, ist Zatouna ein offener Raum, ein gastlicher Ort geworden. In der Schule, die Mikis' Kinder gezwungen waren zu besuchen, wird das erste Museum seiner Art eröffnet zu Ehren von Theodorakis, des Verbannten der Junta, der Galionsfigur unserer eigenen Kämpfe für eine Welt des Friedens, der Freiheit und der Gerechtigkeit.

Die Ehrung, die ihm so zuteil wird, spiegelt ebenfalls den Willen der Einwohner von Zatouna, ihren stolzen, unbeugsamen Charakter hervor zu streichen, der dem jener weltweit geachteten Persönlichkeit entspricht, die sie ehren.

Guy Wagner



Bild von der Eröffnungszeremonie (Photo: Eleftherotypia)


Link zu den Bildern der Eröffnungsfeierlichkeiten





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