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03.04.06: Würdiges Jubiläumsfinale mit opulentem Brückenschlag



So viele Künstler hat man kaum je auf der Brucknerhaus-Bühne versammelt gesehen wie Samstagabend.

Auch viel Prominenz, neben Brucknerchor-Präsident LH Josef Pühringer u. a. NR-Präsident Andreas Khol und Vizebgm. Erich Watzl, hatte sich im ausverkauften Haus eingefunden.

Der Chor, seit 1997 von Konrad Fleischanderl geleitet und seit 60 Jahren maßgeblicher Mitgestalter des heimischen Musiklebens, hatte sich zum Ausklang der Jubiläumssaison und zum 80. Geburtstag von Mikis Theodorakis ein gewaltiges Vorhaben vorgenommen: seine Ballett-Suite „Alexis Sorbas“, Brückenschlag zwischen klassischer sinfonischer Musik und den Klängen seiner Heimat.

Natürlich hat der griechische Komponist darin Motive aus seiner weltberühmten Filmmusik verwoben, die zum Inbegriff südlicher Lebensfreude geworden ist. Daneben stehen auch schwermütige Klänge im Gedenken an Vergangenes und den Tod im Zentrum.

Das rhythmisch betonte Werk wurde, unterstützt von Unionchor Lambach und Staatsorches-ter Athen unter Karolos Trikolidis sowie der Mezzosopranistin Viki Baklava, als dynamisch-machtvolle Klangdemonstration bewältigt, visuell untermalt von Bildprojektionen aus dem Film und sechs Tänzern.

Der Brucknerchor präsentierte sich, nach der Aufführung von Theodorakis' „Axion Esti“ 1997, mit dem heftig beklatschten Werk erneut als Brückenbauer zwischen OÖ und Griechenland und hat die ehrenvolle Aufgabe, am 26. Mai im Athener Konzerthaus Megaron Mozarts c-Moll-Messe und Bruckners Te Deum aufzuführen. Dort soll auch die Ehrung Theodorakis, der aus gesundheitlichen Gründen der Einladung nach Linz nicht folgen konnte, durch das Land OÖ nachgeholt werden.

Birgit Thek - Neues Volksblatt

Tragischer Abschluss
Sängerin von Auto überrollt und getötet

64-Jährige am Zebrastreifen von Pkw erfasst und überrolltJubiläumsfeier des Brucknerchors von Unfall jäh unterbrochen LINZ Es war ein erfolgreiches Konzert mit einem wunderbaren Fest im Anschluss, doch alles endete durch den plötzlichen Unfalltod einer Sängerin. Vor ausverkauftem Haus begeisterte der Brucknerchor, der sein 60-jähriges Bestehen feiert, Samstagabend sein Publikum. Unter den Musikern war auch Anne Koch, Freunde nannten sie nur liebevoll Angie. Um Mitternacht verließ die 64-Jährige mit zwei Kolleginnen das Brucknerhaus. Sie wollten gemeinsam nach Hause fahren. „Wartet, ich komm schon“, soll Angie Koch noch zu ihren Bekannten auf der gegenüberliegenden Straßenseite gerufen haben. Doch dann passierte das Unglück: Als die gebürtige Engländerin über den Zebrastreifen lief, erfasste sie der Wagen eines 22-Jährigen aus dem Bezirk Braunau. Die Fußgängerin wurde meterweit weggeschleudert und von dem nachkommenden Wagen eines 50-Jährigen auch noch überrollt. Für die Sängerin kam jede Hilfe zu spät, sie starb noch an der Unfallstelle. „Angie war so lebensfroh, ein lieber Kerl und immer lustig.Sie hat in den fast vierzig Jahren in Österreich auch nie ihren englischen Akzent verloren“, erzählt Richard Architektoridis, Obmann des Brucknerchors, dem VOLKSBLATT. „Es war ein so wunderbarer Abend, alle waren wir gut gelaunt, und dann musste solch ein Unglück passieren“, ist Architektoridis betroffen, schließlich kannte er die fröhliche Hauptschullehrerin seit dreißig Jahren. mpk - Neues Volksblatt

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KONZERT: 60 Jahre Brucknerchor

Das Flair von Hellas

Wer denkt nicht an weiß getünchte Häuser mit blauen Fensterläden, wenn eine der berühmtesten Melodien Griechenlands erklingt? Wenn nach Noten Mikis Theodorakis' "Zorbas"-Ballett schwungvoll das Tanzbein zu zappeln beginnt. Und das beim 60-Jahr-Jubiläumskonzert des Linzer Brucknerchors am Samstag im Brucknerhaus.

Gemeinsam mit dem Unionchor Lambach (Leitung Hans Haslinger) führte Chormeister Konrad Fleischanderl seine Sänger behutsam in die Gefilde neuerer Literatur und setzte mit diesem Festkonzert ganz bewusst einen Akzent des Aufbruchs.

Wenn ein Stück wie jener von Theodorakis erfundene, geschleppt choreographierte Tanz - was Sirtaki in etwa bedeutet - am Schluss erklingt, überwältigen die mitreißenden, sich ins Uferlose steigernden Rhythmen. Diese machten auch vergessen, dass auf dem Weg dorthin nicht alles nur perfekt geklappt hatte.

So war man sich am Beginn des zweiten Akts nicht ganz einig, wer wann was zu singen hätte. Auch hätten die ekstatisch bacchantisch komponierten "Evin-Evan"-Rufe nicht derart zaghaft über das Griechische Staatsorchester Athen "geschrien" werden dürfen. Die Gäste aus Griechenland, umsichtig geleitet vom österreichisch-griechischen Dirigenten Karolos Trikolidis, wussten perfekt mit der Musik ihres Landsmanns umzugehen. Viki Baklava steuerte mit ihrem ausdrucksvollen Alt die Melancholie Hellas' bei.

Michael Wruss - OÖ Nachrichten





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