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Nach dem Konzert vom 22.11.05 - Photo: Guy Wagner
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Am 21. und 22. November führten die Dresdner Sinfoniker bedeutende Auszüge der vier "mythologischen" Opern - Medea, Elektra (21.), Antigone, Lysistrata (22.) - von Mikis Theodorakis im Athener Megaron auf: außergewöhnlich eindringliche Darbietungen.
Somit ist es nicht zu spät, im Nachhinein diese Leistungen gebührend zu feiern.
Wir veröffentlichen mit Genehmigung des Autors Peter Zacher seinen Artikel, der am 26. November in den "Dresdner neuesten Nachrichten" erschien.
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Würdigung eines Nationalheiligtums
Großer Erfolg für die Dresdner Sinfoniker in Athen
"Das war eine irre Erfahrung", fasste ein Mitglied der Dresdner Sinfoniker für sich das Ergebnis der beiden Konzerte im Megaron, dem Athener Konzerthaus zusammen. Dem Urteil werden sich viele, Ausführende wie Besucher, anschließen können, wenngleich letztere nicht in übergroßer Zahl erschienen waren.
Selbst in seinem Heimatland hat Mikis Theodorakis als Komponist von Opern und sinfonischen Werken noch nicht die Reputation erlangt, die er seit Jahrzehnten als Liedkomponist unumstritten einnimmt. Es gibt viele, die nicht einmal wissen, dass er überhaupt Werke dieser Genres geschrieben hat und dass die ebenso gültig sind wie seine etwa tausend Lieder.
Die Voraussetzungen der beiden Konzerte mit Auszügen aus vier Opern waren in technischer Hinsicht nicht eben optimal. Nicht alle Mitglieder der Sinfoniker konnten an den Proben in Dresden, die sich über fünf Tage erstreckten, ohne Unterbrechung teilnehmen, denn kaum ein hochrangiges Orchester wie Berliner oder Dresdner Philharmonie, Staatskapelle Dresden oder Tonhalle-Orchester Zürich ist bereit, einen Musiker für eine ganze Woche freizustellen. Eckehard Stier, musikalischer Chef des Görlitzer Theaters, musste beständig zwischen Görlitz und Dresden pendeln, weil er neben seiner Arbeit am Theodorakis-Projekt auch noch den Dienst an seinem Stammhaus wahrnehmen und sogar einen plötzlich erkrankten Kollegen vertreten musste. Diese Erschwerungen wurden aber durch das Engagement der Musiker mehr als wettgemacht. Die Dresdner Sinfoniker, die man auch als internationales Jugendorchester klassifizieren kann, zeichnen sich ja dadurch aus, dass sie sich aus eigenem Antrieb und fast ohne Honorar mit außergewöhnlicher Musik befassen, solchen Werken also, denen sie im Alltag ihrer Orchester nicht begegnen. Das geschieht mit vollem Einsatz und mit einem Ehrgeiz, der nicht der eigenen Person, sondern dem Werk dienen soll. Dafür nehmen die Musiker freiwillig Entbehrungen und Mühen auf sich. Und die Musik Theodorakis' spielten sie auch deshalb ohne jeden Vorbehalt, weil sie deren Qualität schnell erkannten.
Gekrönt wurden die Anstrengungen auch diesmal von Aufführungen, deren Qualität nur mit Superlativen beschrieben werden kann. Das hat für die Sinfoniker Tradition; sie haben bisher immer für Interpretationen gesorgt, die höchsten Ansprüchen genügen können und jeden Vergleich mit Hochleistungsorchestern aushalten, die täglich in gleich bleibender Besetzung arbeiten. Vor allem aber war es Stier, der die Musiker zu diesen bemerkenswerten Leistungen anspornte und sie auch sicher durch die oft komplizierten Rhythmen leitete. Dabei kam ihm seine Opernerfahrung zugute, mit der er die dramatischen und druckvollen Passagen ebenso umsetzen konnte wie die vielen Teile mit lyrischer Liedhaftigkeit. Theodorakis hat ja in allen vier Opern viele seiner Lieder erneut eingearbeitet. Darunter sind auch einige, die Stier aus seiner Kruzianerzeit kennt, denn sie sind Bestandteil der Liturgie, die 1983 als Auftragswerk für den Kreuzchor uraufgeführt wurde. Gerade diese Lieder tragen viel zur Wirkung der Opern bei. Sie sind auch dankbares Material für die Solisten, von denen hier nur die Sängerinnen der Titelpartien genannt sein sollen: Sonia Theodoridu (Medea), Dafni Evangelatu (Elektra), Mata Katsuli (Antigone), Tsulia Suglaku (Lysistrata). Der ebenfalls mitwirkende Chor des Athener Rundfunks hätte sich besser präsentieren können, wenn mehr Zeit für die Einstellung einer optimalen Klangbalance gewesen wäre.
Theodorakis war glücklich, dass sich ein so gutes Orchester und ein ebenso guter Dirigent seiner Werke angenommen haben. Das erinnerte ihn an die frühen achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, in denen Spitzenkräfte der DDR einen großen Teil seiner sinfonischen und Chorkompositionen uraufgeführt haben. Und das Athener Publikum feierte erst die Ausführenden und danach den achtzigjährigen Komponisten, dessen Rolle als Nationalheiligtum wohl nur noch von der Akropolis übertroffen wird.
Es bleibt ein Ärgernis, dass ein Konzert in Dresden nicht möglich war, weil die Finanzierung wenigstens der Sachkosten trotz großer Anstrengung nicht gewährleistet werden konnte. Dabei hat die Stadt eine ausgeprägte Tradition bei der Aufführung von Werken des großen Griechen. Offenbar ist vielen in den Kulturverwaltungen nicht ausreichend deutlich, über welche starke Potenz wir mit diesem Orchester verfügen.
© Peter Zacher
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