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22.12.05: Theodorakis zum antikommunistischen Memorandum des Europarates





Europarat
Auf der Geschäftsordnung des ersten Teils der Wintersitzung der Parlamentarischen Versammlung des Europarats (23.-27. Januar 2006) findet man: Mittwoch 25. Januar Notwendigkeit der internationalen Verurteilung der Verbrechen des Kommunismus (Dok.). Referent des Ausschusses für politische Angelegenheiten: Herr Göran Lindblad (Schweden, EPP/CD).

Dieser Punkt der Tagesordnung hat Mikis Theodorakis zu einer Aussage bewegt. Hier seine

STELLUNGNAHME:

Der Europarat hat beschlossen, die Geschichte abzuändern. Sie zu verdrehen, indem.die Opfer mit den Tàtern auf eine AStufe gestellt werden, dieHelden mit den Verbrechern, die Befreier mit den Eroberern und die Kommunisten mit den Nazis

Er ist der Meinung, dass die größten Feinde des Nazismus, d.h. die Kommunisten, Verbrecher sind und in der Tat den Nazis gleichzustellen sind! Und er ist besorgt und beklagt sich, dass, während die Schergen Hitlers von der internationalen Gemeinschaft verurteilt wurden, dies noch nicht mit den Kommunisten geschehen ist.

Aus dem Grund schlägt er vor, dass diese Verurteilung jetzt während der Plenarsitzung der parlamentarischen Versammlung des Europarats von kommenden 24.-27. Januar stattfindet.

Inzwischen zeigt er sich besorgt, weil "das allgemeine Bewusstsein der Verbrechen, die durch totalitäre kommunistische Regime geschahen, sehr unterentwickelt ist". Und auch darüber, dass noch "kommunistische Parteien zugelassen und in einigen Ländern aktiv sind, ohne sich in einigen Fällen von den Verbrechen distanziert zu haben".

In andern Worten: Der Europarat kündigt im voraus die Verfolgung der europäischen Kommunisten an, die noch keine Widerruf-Erklärung der Art abgegeben haben, wie sie in der Vergangenheit von den Schergen der Gestapo und von den Folterern auf Makronissos abverlangt wurde.

Möglicherweise werden sie morgen beschliessen, die kommunistischen Parteien zu verbieten und auf diese Weise die Tür den Geistern von Hitler und Himmler zu öffnen, die, wie weithin bekannt ist, ihrer Karriere begannen, indem sie die kommunistischen Parteien ächteten und die Kommunisten in den Todeslagern einkerkerten.

Am Ende jedoch wurden sie im Blut ihrer Opfer ertränkt, jener 20 Million Toten der kommunistischen Sowjetunion und der Abertausenden von Kommunisten, die ihr Leben opferten, indem sie sich an Spitze der nationalen Widerstandsbewegungen n Griechenland und überall in Europa stellten.

Jene Herren des Europarats kommen mit ihrem Wunsch, die Methoden wieder zu beleben, die das Gewissen der Geschichte und der Völker verurteilt hat, allerdings erst an zweiter Stelle an, da ihnen ihr Großer Bruder zuvorgekommen ist: de USA, die ganze Völker mit Hitler-Methoden auslöschen, wie im Fall des Iraks, den sie in Ruinen gelegt haben, Ruinen voll mit amerikanischen Gefängnissen, in denen Tausende von unschuldigen Opfern täglich auf entsetzliche Weise gefoltert werden.

Über diese große Verbrechen gegen die Menschlichkeit verliert der Europarat kein Wort, ebenso wenig wie über die modernen hitleristischen Folterlager in Guantánamo.

Wie kann daher jemand glauben, daß diese Herren ehrlich betroffen sind, was die Menschenrechte angeht, wenn sie sogar innerhalb ihres eigenen Hauses Europa CIA Flugzeuge zugelassen haben, die beladen sind mit Menschen ohne irgendwelche Rechte, um sie zwecks Folterung in Sondergefängnisse zu fliegen?

Solche Bürger können nicht Ankläger sein. Vor dem Gericht der Geschichte, das eines Tag die unzähligen Verbrechen ihres Großen Bruders, von Vietnam bis Chile und von Südamerika bis Irak, aburteilen wird, wird ihnen ebenfalls der Prozess wegen Tolerierung, wenn nicht sogar wegen Mitschuld an jenen Verbrechen, gemacht werden.

Unglücklicherweise bin ich heute gezwungen, eher im Namen der Toten als im Name der Lebenden zu sprechen. Demzufolge habe ich, im Namen meiner toten kommunistischen Genossen, jener, die Gestapo, Todeslager und Hinrichtungsstätten erduldet haben, um den Nazismus zu besiegen und die Freiheit zu feiern, an jene n"Gentlemen" nur ein Wort zu sagen SCHANDE!


Athen, 22.12.2005
Mikis Theodorakis

Deutsche Übersetzung: Guy Wagner

(1) Makronissos: Berüchtigte KZ-Insel gegenüber Kap Sunion, auf der Tausende von griechischen Kommunisten und Partisanen gefoltert und ermordet wurden, und auf der Theodorakis 1949, auf dem Höhepunkt des antikommunistischen Deliriums, das rechte Bein ausgerenkt und er zweimal lebendig begraben wurde. Sein Überleben verdankt er allein seinen Kameraden und seinem Vater.





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