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28.07.05: Theodorakis-Konzert in der Sommerakademie






Rainer Rohloff
Danke Rainer,

Es war gut, dass Du da warst, um mit uns den 80. Geburtstag von Mikis Theodorakis zu feiern. Du hast dem CEPA-Fest für den großen alten Mann seine Schönheit gegeben.

Gegen die Tücken des Wetters, gegen eine brütende und lastende Gewitterhitze bist Du einen für Dich ganz ungewöhnlichen Kampf angegangen: den Kampf gegen eine immer wieder zum Verstimmen neigende Gitarre, und dabei hast Du ja sonst nichts, um Dein Können zu beweisen, als dieses Instrument, das Du beherrschst wie kaum ein anderer.

Wiewohl Dir aber Schweißtropfen übers Gesicht und in die Augen flossen und Du immer wieder den Saiten nachhelfen musstest, damit die Akkorde sauber klangen, – Du machtest sogar den Vergleich mit einem Eintopf, der in der Hitze gekocht, sauer wird –, hast Du einem erfreulicherweise recht zahlreichen Publikum einen einmaligen Musikabend geschenkt.

Kniffligste Griffe, Akkorde, die man sich auf Deinem Instrument kaum vorstellen kann, Rhythmen, die in ihrer Vielfalt und Vielschichtigkeit die klaren und einfachen Melodien auf eine ganz besondere Art untermalten, waren so selbstverständlich wie Dein stilles, bescheidenes und gleichzeitig sicheres Auftreten.

Seit ich das Privileg habe, Deine Laufbahn etwas genauer zu verfolgen, ist mir immer wieder bewusst geworden, wie konstant und zielstrebig Du an Dir und Deiner Gestaltung von Musik arbeitest. Das gilt in ganz besonderem Maße für Deine Auseinandersetzung mit dem gewaltigen Werk von Theodorakis.

Du bist jetzt zu dessen Kern vorgedrungen, hast als Deutscher das Griechische seiner Lieder erfasst und auch verstanden. So kannst Du es auf eine ganz natürliche Art umsetzen. Dadurch aber verdeutlichst Du zugleich, wie einzigartig das Liedschaffen von Mikis Theodorakis ist, das sich immer den Texten anpasst und ihren Gehalt umzusetzen weiß.

Da aber Deine Gitarre ganz allein Melodik, Harmonik, Akkordschwingungen, Rhythmik wiedergeben muss, fällt diese Textkonnotation weg, und es bleibt die Musik an sich, die Musik in ihrer ganzen Reinheit und Schönheit, ihrem kämpferischen Jubel, ihrem verbissenen Sarkasmus, ihrer verhaltenen Trauer und ihrer unbändigen Hoffnung.

Es erübrigt sich, auf die einzelnen Titel einzugehen oder auf Deine Virtuosität und Sensibilität, doch ich möchte ganz besonders das von Dir ebenso klug wie geschickt zusammengestellte „Medley“ hervorheben: Es macht in einzigartiger Weise Dein Verständnis für Mikis Theodorakis und Deinen Sinn für die Ausdrucks- und Aussagekraft seiner Musik deutlich.

Du bist zur Seele dieser Musik vorgedrungen und hast ihn aufs Feinste vermitteln können. Dafür sei Dir Dank gesagt.



Guy Wagner



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