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10.10.05: Konzert in Neu-Isenburg





Alexandra Gravas
Eine Melodie hat ihn weltberühmt gemacht: die Musik zum Film «Alexis Zorbas» mit Anthony Quinn in der Hauptrolle. Mikis Theodorakis hat sie vor mehr als 40 Jahren komponiert. Zum 80. Geburtstag, den Theodorakis im Juli gefeiert hat, haben die im Kreis Offenbach lebenden Griechen ein Konzert zu Ehren des berühmten Komponisten organisiert – und große Resonanz gefunden.

Die Isenburger Hugenottenhalle war nahezu ausverkauft. Die Griechen halten nun einmal zusammen wie Pech und Schwefel, wie Nikolaos Michos, Vorsitzender der Griechischen Gemeinde Isenburgs, sagte. Und sie verstehen es, einen großen Meister zu feiern und auch Nichtgriechen für dessen Musik zu begeistern.

Auf dem Programm des rund zweieinhalbstündigen Konzertabends stand nicht etwa der Sirtaki aus dem legendären Zorbas-Film. Vielmehr erklangen Ausschnitte aus Theodorakis’ Liederzyklen, vor allem die Kampflieder aus der Zeit der griechischen Militärdiktatur in den 1960er Jahren wie «Tis Dikeosinis» («Sonne der Gerechtigkeit») und «Ena to Chelidoni» («Eine einzelne Schwalbe»), die ihn in seiner Heimat zum Volkshelden gemacht haben. Den Griechen gilt Theodorakis als der Komponist des Widerstands. Noch heute stiftet seine Musik für viele Hellenen nationale Identität und Konsens. Deshalb strömen sie in seine Konzerte. Und deshalb singen sie leise und ergriffen mit, wenn die Interpreten auf der Bühne die unter die Haut gehenden Melodien anstimmen.

Mezzosopranistin Alexandra Gravas und der Liedsänger Alexandros Chatzis trafen den Kern der Musik des 80-Jährigen, die sich zwischen gemäßigter Moderne und griechischer Folklore bewegt. So changierte Chatzis in Stücken wie «Omofi Poli» («Wunderschöne Stadt») oder «Xathika» («Hab mich verloren») zwischen melancholischen Klangkolorit und bombastischen Vokalausbrüchen, während Gravas die Kostproben aus dem Oratorium «To Axion Esti» («Gepriesen sei») mit weichem Timbre und volumenreichem Schmelz anstimmte. Das Bessunger Kammerorchester unter der Leitung von Jörg Mangelsdorf und Pianist Demosthenes Stephanidis gestalten die äußerst melodiöse Musik mit deutlich gesanglichen Linien und großer Spielfreude.

«Was schön ist, gehört dem Volk», hat Theodorakis, der im November wegen seiner Initiative, Griechen und Türken zu versöhnen, mit dem Unesco-Musikpreis 2005 ausgezeichnet wird, einst gesagt. Für seine Werke gilt dieser Satz allemal. Hoffentlich organisieren die Griechen im Kreis noch viele solcher Veranstaltungen, die Einblicke in die griechische Seele gewähren. (car)

Aus: Frankfurter Neue Presse Online





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