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4. Theodorakis' Kompositionsmethoden




Das geöffnete Auge der Utopie erlaubt es Theodorakis, die Ideen seiner Epoche, Ideen der Schönheit und der Wahrheit in seinen Kompositionen so zu gestalten, dass sie uns - als Hörer und als Musiker - mit Glückseligkeit und Hoffnung erfüllen, so dass wir uns reicher, anspruchsvoller, stärker fühlen.

Theodorakis‘ Musik vermag es, uns zum Nachdenken und zum Wunsch nach einem schöneren Leben zu führen.

Theodorakis trägt die avantgardistische Ablehnung der Vergangenheit nicht mit, die die Verneinung aller bisher von der Menschheit gehobenen kulturellen Schätze nach sich zieht.

Er findet eine besondere Kompositionsmethode, um als Künstler seine Physiognomie zu bewahren und seine Botschaft herüber zu bringen. Theodorakis formt aus den drei Tetrachorden unseres vorgegebenen Tonsystems viele seiner bedeutenden Werke, wobei als eine Quelle die Vielfalt griechischer Musik in dieser Kompositionsmethode enthalten ist.

Sein schöpferischer Wille veranlasst ihn dabei, die drei Tetrachorde unseres Tonsystems so zur Komposition zu formen, dass keine Trennung von intellektuellen, psychischen und physischen Leistungen geschieht.

Theodorakis verfolgt ein doppeltes Anliegen: die Überwindung der Zwölftontechnik und die Gestaltung jeder melodischen Figur durch seine differenzierte
Tetrachordmethode. Dabei sollen die Klangstrukturen ihre psychischen und ihre Erinnerungsmomente zurückerhalten.

Seine Musik lässt die Menschen nicht unberührt. Ihrem suggestiven Verlangen nach Emotion, ihrem Verlangen nach Kommunikation, bietet Theodorakis seine Kunst als Grundlage seiner Botschaft: Musik als Dialog.

Wir nehmen seine Weisheit, seine Träume, das Gedächtnis seiner Generation wahr.

Aus seinen Kompositionen hören wir, dass nicht das Material die Seele eines Werkes schafft.

Dem Hörer und dem interpretierenden Musiker wandelt sich in dieser Zeit das ganze lebendige Werk Theodorakis‘ in neue Qualitäten.


© Gerhard Folkerts, Hamburg 2005

Vierter Teil eines Vortrags im Rahmen eines Gastkonzerts zum 80. Geburtstag von Mikis Theodorakis im Goethe Institut Athen am 18. April 2005

Teil 1
Teil 2
Teil 3



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