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3. Theodorakis und die deutsche Liedkunst




Theodorakis schätzt die herrlichen Volkslieder von Brahms, Mozart, auch die von Eisler, vor allem aber die Melodien Schuberts.

Es sind Lieder, die lange zum Volksliedschatz der Menschen in den deutschsprachigen Ländern gehörten.

Bei seinen Konzerten in Deutschland hob Theodorakis den Konzertbesuchern diese fast schon versunkenen Schätze ins Bewusstsein, indem er als Zugabe einige dieser Melodien a capella sang. Wir lauschten betroffen, erinnerten uns unserer musikalischen Wurzeln, wurden nachdenklich. Und - uns fehlten die Antworten auf seine Frage, warum wir diese schöne Musik nicht mehr singen.

Eine Neuschöpfung des Komponisten Theodorakis, offenbart seine klangliche Umsetzung von Sprache.

Diese Einzigartigkeit, die sich im Charakter der Texte und im Charakter der Melodien zeigt, nennt Theodorakis „Das künstlerische Volkslied“. Musikgeschichte und Musikwissenschaft in Deutschland kennen diese Gattung nicht. Daher besitzen wir auch keinen entsprechenden Begriff.

Im Wechselspiel seines lebenslangen Engagements, musikalische und gesellschaftliche Prozesse mit zu gestalten, schuf Theodorakis seine Liedkompositionen. Ein umfassendes, unverwechselbares Werk, das ihn als „den“ Melodiker des 20. Jahrhunderts auszeichnet.


© Gerhard Folkerts, Hamburg 2005

Dritter Teil eines Vortrags im Rahmen eines Gastkonzerts zum 80. Geburtstag von Mikis Theodorakis im Goethe Institut Athen am 18. April 2005

Teil 1
Teil 2
Teil 4



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