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"Gedächtnis des Steins" - Gedichte




I.
GEDÄCHTNIS DES STEINS

Gedächtnis des Steins Körper des Regens
Schütze aus einer anderen Epoche;
alles billig, von allen vergessen
einfach so, weil es vorbei ist.

Aber jetzt, da Unwetter heraufziehn
da wir nach Häfen suchen, uns zu verstecken
einfach so die Musiken tötend
die Gefahr, die naht, hören wir nicht.

Träne der Pinie Blut aus der Wunde
weiße Zimmer eines leeren Gefängnisses; alles
billig, von allen vergessen einfach so,
weil es vorbei ist.


II.
VERLORENER BRIEF

Auf der Universitäts-Straße bin ich eine Lüge
auf der Aolos-Straße ein unbeschriebenes Blatt Papier;
verlier nicht deine Zeit, mich zu suchen
dort, wo wir uns oft trafen, denn:

Das System hat mich einberufen
ich ging verloren auf einer Mission;
bin ein Fremder im eigenen Land
unzustellbar ist jeder Brief an mich.

Die Stufen der Sonne bekommen Risse
am Tage wird es nicht mehr warm
der Unbekannte Soldat vom Verfassungs-Platz
stand auf und ging, denn:

Er ist der Paraden überdrüssig der
Traum zerbricht wie Glas;
erinnere dich: hier ist der Balkan
und der verratene Nahe Osten auch.


III.
DIE UNVERDÄCHTIGEN

Einst kam die Sonne heraus über Athen
und leuchtete uns;
dann ein warmer Regen
der auf uns herabfiel.
Er goß unsere Blüten
daß aufblühten unsere Fehler!

So gelangten wir
in den Abgrund der Einsamkeit
in Häusern, parallel und flach,
unsere Ideale:
ein Posten im öffentlichen Dienst
und ein weiterer in den Stadien.

Des Nachts gingen die Liebenden hinaus
in die Wäldchen, sich küssen;
aber an einem dünnen Faden
hing das Leben
bis er eines Tages riß
und ein Gewitter begann.


IV.
FAHRSTUHL

Fahrstuhl, der mich hinaufbefördert
hinauf in den hundertsten Stock
die Bestimmungen sind streng:
„Nur für zwei Personen!"
Der Korridor ein Tunnel
Bergwerk oder Säulengang
nur manchmal ist zu hören:
„Dritte Tür links!"

Ich hatte dir versprochen
die Inseln des Paradieses
aber findejetzt nur fluchend
und zornig den Zugang zu dir.

Fenster, die sehen
in die weite Unermeßlichkeit
Erinnerungen, die duften
nach Minze und Eukalyptus.
Schaust mich an hast Angst vor mir
dass ich töten könnte deine Träume:
zu welch unbedeutendem Menschlein
verkam dein einstiger Held.


V.
DIE TOTEN FINDEN KEINE RUHE

Vom Elend zerstört
dieses heilige Haus.
Vorgezeigt bis zum Überdruss
von fremden Händen niedergerissen.
Dieses Haus!

Und Alexander der Große verspätet sich,
verspätet sich, wann wird er kommen;
dieToten sind ruhelos
unter der Erde noch einen März.

Viel Arbeit braucht dieses Haus
die Dachziegel müssen ausgewechselt werden.
Doch wer zündet das Feuer an
um den ganzen Schrott abzubrennen.
Dieses Haus!


VI.
EINMAL

Einmal wird auch diese Liebe zu Ende gehn
und unsere Tränen
werden zurückkehren zu den geheimen Quellen.
Einmal, im großen Morgengrauen
der Mond, auch er wird erfrieren.

Wie sollst du reisen mit der Liebe
wie sollst du ziehen einen Strich
in ihre Engetreiben uns die Sirenen
machen das Denken und den Körper leer.

Würde das Gras der Erde wachsen
aus unserer Ader
dem Leben herausschießen Wasserspiele, das Licht.
Einmal wird die Zeit wiederkommen
und selbst das Blut vertrocknen.


VII.
EINSAMKEIT

Meine Liebe mit dein schwarzen Haar
Lied des Feuers, auf den Lippen Bitterkeit;
wer säte auf des Gartens Treppen
die Trennung an einem Dienstag im April.

Wenn du Geliebte nicht zu Hause bist
bedrückt mich die Dunkelheit
meineEinsamkeit zieht ihre Jacke aus
und der Tod kocht mir den Kaffee.

Du im Gebirge vergessene Liebe
heute erinnert sich keiner mehr an uns;
an demPlatz, wo dein Herz schlug
geht die Sonne unter legt sich schlafen.


VIIII.
DEIN NAME IST KEIN WORT

Dein Name ist kein Wort
er ist ein leuchtender Baum
er ist meineWurzel in der Sonne
die Errettung aus dem Nichts.

Darum also, wenn ich dich rufe
wird der Abgrund zum Garten
das Flüstern der Agonie i
m Halbdunkel zum Psalm.

Er ist der Flügelschlag der Engel
im Altar einer Kirche
er ist der Schritt des Wolfes
am Rande des Sternenleuchtens.

Dein Name ist kein Wort
er ist ein Blitz in der Abenddämmerung
er ist ein Sturm, der herkommt
von antiken Waldbränden.



© Michalis Burbulis - © Übertragen von Asteris Kutulas



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