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Zum "Epitaphos-Streit"




Bewusst oder unbewusst verwendet der Volkskumponist im Rahmen seiner Absichten und Möglichkeiten die stärksten musikalischen Eindrücke seines Lebens und schafft daraus sein eigenes melodisches Material.

Der kreative Mechanismus eines zeitgenössischen Konzertkomponisten muss, meine ich, in gleicher Weise funktionieren.

Er muss aus der musikalischen Tradition die stärksten Elemente herausnehmen und sie für sein Werk nutzbar machen.

Wenn wir aber die Früchte unserer laizistischen Kollegen benutzen, schaffen wir auf diese Weise kein neues Ausgangsmaterial, sondern drücken uns vor dem Problem. Dieser Entwicklungsprozess ist aber nicht nur wichtig; ich halte ihn für fundamental, weil er den Wert eines Künstlers unmittelbar betrifft.

In aller Welt werden die herkömmlichen Elemente auch in zeitgenössischen Kompositionen verwendet. Aber wie werden sie verwendet? Allein dieses Wie entscheidet darüber, ob ein Komponist bedeutend, mittelmäßig oder unbedeutend ist. Aber es ist etwas völlig anderes, ob ich ein Volkslied zum Ausgangspunkt für konzertante Musik mache oder selbst ein Volkslied hervorbringe.

(Aus einen Interview zum "Epitaphos-Streit" vom Oktober 1960)



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