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"Dionysos" - Gedichte




II. DIE VERTEIDIGUNGSREDE DES DIONYSOS

Gruß Euch ihr makellosen Richter
ich bin vor Euch
Zieht heraus Nägel und Feuer
Die Strafe ist furchtbar
sie muß herauskommen
aus dieser Versammlung

Verbrennt die Zeilen jede magische Melodie
die uns führt in unbekannte Ecken winterlich.

Gruß an die Starken dieser Welt
ich stehe vor Euch
zieht heraus Nägel und Bitterkeit
wie die Berge
die harte Metalle einschließen
und sie durchbohren
und ihr Herz schmerzt
aber das Herz gleitet
aus ihren Nägeln heraus
und singt.

Antistrophe A

Es marschieren die Truppen
zu den Gipfeln des Dionysos
um Feuer anzuzünden

Den Gott wollen sie verbrennen
mit den Bräuten daneben
und den Jungen beim Tanzen.

Antistrophe B

Mein Dionysos,
mit deinen schneidigen Flügeln
mein Bursche mit dem Körper des Taurus
mein Bursche du führst die Prozession an
mein Dionysos,
sieh, wer dir folgt
Griechen und Auswärtige.


III. EIN GEFÄNGNIS

Ein Gefängnis
mein Leben ist ein Gefängnis
Ohne Strafe
ohne Richter
mein Leben ist ein Gefängnis

Bei Makriyannis bevor du zum Sprechen kamst
Engländers Kugel hat dich in die Knie gezwungen
Du sahst uns an mit melancholischem Blick
du dachtest wohl
wie kurz der Tag gewesen ist.

Inmitten der Plätze
nebeneinander hingesetzt
unsere dargestellte Einsamkeit
hast du - mit einem melancholischen Blick eingeprägt
wer wird denn das Geheimnis sagen
unserem verlorenen Leben.


IV a. DER KÜHLSCHRANK

Herz frag nicht -
klopfe nicht -
Bitterkeit, Märchen -
sind zu Ende für uns

In deinem Telefon
alle Nummern
haben als Empfänger
ein totes Leben.

Wenn du Augen hast, die sehen können
Und wenn du eine Brust hast, die schmerzt
Sag doch, wie kannst du es aushalten
So ein Leben ohne zu weinen.

All die geliebt haben
liegen tot
all die, die sich verneigt haben,
sind Führer.

Öffne den Kühlschrank -
und steige hinein
damit du dich
frisch erhältst.


IV b. DER BÄR

Eine Kette legen sie mir um den Hals.
Ich bin ein Bär, tanz den Zigeunertanz.

In den Stadien bilden sie mich aus,
den wildgewordnen Massen meinen Gruß zu bieten.
Mit Affen stecken sie mich zusammen,
zu huldigen den wildgewordnen Massen.

In mein Gefängnis kommen stumme Engel,
das Ende ist da, der Anfang noch nicht.


V. 10. DEZEMBER

Sie begleiten das Kind in den Frost
es hat seine Hände auf der Brust gekreuzt
es hat keinen Namen es hat keine Familie
und es hatte seine Jugend dem Frühling gewidmet.

Am 10. Dezember Fantastischer Zug
Jungen und Mädchen getötet
gehen glücklich zum Frühling über
Und mit Blüten Idealen überdeckt
der Frühling brüderliche Körner.

Während ich dem blaßen Jungen zusiehe
denke ich, dass eine andere Reise beginnt
für all die, die diese Zeit erlebten
und alles, woran wir geglaubt, ist begraben.


VI c. BEWEINE DAS GRIECHENTUM

Ich werde euch mit einer anderen Melodie ansprechen
Seid mir bitle nicht böse ich bitte euch
ich suche das Griechentum
und diese Leidenschaft nervt mich.

"Beweine das Griechentum
Gewöhn sie dran dies zu sagen."

Für meine Ratlosigkeit suche ich eine Antwort
sie meiden mich, sie halten mich für verrückt
das Griechentum ist verheiratet,
ist froh und schwanger

"Beweine das Griechentum
Gewöhn sie dran dies zu sagen."

Dieses Gerede ist Wahnsinn,
nachdem es schwanger wurde geht es ihm gut
mit Pate dem Karouda...

"Beweine das Griechentum
Gewöhn sie dran dies zu sagen."


VIII a. GUTE BERGE

Meine guten, lilane Berge - in Wolken gekleidet
was seht ihr mich so ernst an - so schwer und so schmerzvoll

Im Pfad des Lebens - wandere ich jetzt allein
und du wirst es nicht herausfinden - wieviel der Schmerz schmerzt

Und ihr, einsame Kinder - die die Welt nicht anseht
in euren versteckten Gang - wandert ihr allein.


VIII b. DIE REISE

Mit einem Sprung Petralona - Thission
zwei Sprünge Sigrou - Kessariani
Tief im Archiv meines Hirns
sind Sonntage immer bewölkt.

Sieh mich nicht an mit tränenden Augen
unsere verlorene Träume
habe ich in meinem Herzen versiegelt.

Ganz früh werde ich reisen
ich werde den entferntesten Weg nehmen
werde mich von den Freunden verabschieden
bevor der Abend kommt werde ich ausruhn

Auf meiner weiten Reise
wenn ich mit den Tod allein bleibe
werde ich die letzte Zigarette rauchen.



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© Guy Wagner - FILIKI 1996-2009