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Liturgie Nr. 2 - Gedichte (Auszüge)




1. Abendgebet

Ich öffne die Pforten am Abend
und halte das Licht empor,
um euch, die ihr irrt und verzweifelt,
zu weisen den sicheren Port
Dort wartet der Tisch voller Speisen,
drauf Krüge, gefüllt mit Gelüst,
drauf Schüsseln, drall vor Begierde,
zu tilgen den Jammer, der uns trennt.
Dort harrt die Schlafbank,
der Blinden Häupter zu kühlen,
und während vom Tod wir schwätzen,'
schreitet durch die Pforte Christus.


3. Das Gebet des Windes

Gebet des Winds,
gesprochen vom Koben eines armen Diebs'
um Regen, den der Dieb begehrt,
auf daß der stille seinen Durst.

Des Engels Schwert,
gezogen vom Jahrmarktslostopf eines Kinds
um Flügel, die das Kind begehrt,
auf daß die trügen es hinan.

Der Nacht Atoll,
getrunken vorm Tresen Jakobs, unsres Wirts,
um Treppen, die der Gast begehrt,
auf daß er heimgeht und vergißt.


5. Klagetrommel aus Asphalt

Klagetrommel aus Asphalt
Die der Regen des Sonntags rührt.
Du dort irrst durch des Abends Dunst.
Keine Tür, die dich lockt
Nirgendwo ein Stein, der dich stützt.
Wohin du flohst
Deine Sehnsucht hat noch immer dich ereilt.

Bleicher Heros wunden Mals
Uns berührt deine letzte Lust.
Auf dem Kreuzwege lagst du tot.
Teurer Kopf tief im Kot.
Trommelwirbel stöhnt durch den Dunst.
Dich, flücht'ges Kind
Holte heim des Sonntags zauberische Macht.


7. Psalm für den heiligen Musiker

Er streunt zur Nacht umher
durch städtischen Glast
Verramscht für Geld ein Stück Musik
Sein Hut aus Stroh, die Fiedel zerkratzt;
Da fährt die Hand zurück
Gerad wie beim Kind im Tod.

Von Zeit zu Zeit lädt ihn
der Bahnhof zu Gast
Dort weist entleert ins Nichts sein Blick.
Kein Zug, der je hinweg mit ihm rast;
Ihn zieht's nach dort zurück
Wo nur Musik sonst lebt.


8. Anne Frank - Ibrahim - Emiliano (M. Th.)

O Anne Frank, deiner großen Augen Flor
kündet die Endlichkeit der Zeit.

O Ibrahim, deiner großen Augen Strahl
kündet uns vom Pathos der Idee.

Emiliano, deiner großen Augen Blut
färbt rot den Zufall Tod.


10. Die heilige Mutter

Die dunklen Pfade dieser Welt
Verwehn im Staub nach meinem Haus hin
Die Kinder der Nacht, vom Licht erhellt
Woll'n forsch hinausziehn.
Als ihr Talisman begleitet sie ein Stern
Kreuzt ihr Herz der Schützenkugel Bahn -
Der Stern fällt dann nicht, er prangt von fern.
Liebste Mutter, sei mir gut, hör mich an:
Bleibt auch mein Stern nachher droben stehn
Tue so, als wäre nichts geschehn.


11. Halleluja-Kalamatianos für die Märtyrer Partisanen

Mahnt uns ein Mensch, heißt Manolios.
Ging zur Schule
In fremden Stiefeln, geborgt, Größe zwei.
Er aß das bittere Brot der blanken Not.
Wann zog er los von hier?
Mahnt uns der Mensch Manolios.
Wir wissen, er war Partisan
Fing den bitteren Schuss einer blitzblanken Wut.
Ach, Februar
Uns mied noch der März.

Mahnt auch uns ein Mensch, heißt Thomas.
Wirr war sein Sinn
Es heißt, die Bauern trieben derb mit ihm Spaß
Denn auf den Bergrücken sah er manchen Tags
Unsre Madonna knien.
Uns mahnt auch der Mensch Thomas.
Er flog samt dem Zug in die Luft.
Kurze Stunden danach
Sah'n verworrenen Sinns
Die Bauern die Madonna im Dorf.


14. Morgengebet - Psalm für die Liebe (M. Th.)

Worte wilder Liebe bühen Blättern gleich des Frühlings.
Sinnend küsst die Sonne unsre schilfgerohrte Syrinx.
Fünf verschwitzte Burschen und Mädchen tanzen mit dem Herzen im Mund,
Zweigen gleich, die biegsam sich in Zephirs Armen wiegen,
Fünffach hat die Liebe sich ins Gras des Glücks verstiegen.


© Tasos Livadhitis - Mikis Theodorakis
Aus dem Griechischen von Dirk Mandel



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