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"Gedächtnis des Steins"




GEDÄCHTNIS DES STEINS


Gedächtnis des Steins, Körper des Regens
Schütze aus einer andern Epoche;
alles billig, von allen vergessen
einfach so, weil es vorbei.

Aber jetzt, da Gewitter heraufziehn
da nach Häfen wir suchen, uns zu verstecken
einfach so, die Musiken tötend
die Gefahr, die naht, hören wir nicht.

Träne der Pinie Blut aus der Wunde
weiße Zimmer eines leeren Gefängnisses;
alles billig, von allen vergessen
einfach so, weil es vorbei.


VERLORENER BRIEF

Auf der Universitäts-Straße bin ich eine Lüge
auf der Äolos-Straße ein unbeschriebenes Blatt;
verlier nicht deine Zeit, mich zu suchen
dort, wo wir uns oft trafen, denn:

Das System hat mich einberufen
ich ging verloren auf einer Mission;
bin ein Fremder im eignen Land
unzustellbar ist jeder Brief an mich.

Die Stufen der Sonne bekommen Risse
am Tage wird es nicht mehr warm
der Unbekannte Soldat vom Verfassungs-Platz
stand auf und ging, denn:

Er ist der Paraden überdrüssig
der Traum zerbricht wie Glas;
erinnere dich: hier ist der Balkan
und der verratene Nahe Osten auch.


DIE UNVERDÄCHTIGEN

Einst kam die Sonne heraus über Athen
und leuchtete uns;
dann ein warmer Regen
der auf uns herniederging.
Er goß unsere Blumen
daß aufblühten unsre Fehler!

So gerieten wir
in der Einsamkeit Abgrund
in Häusern, parallel und flach,
unsre Träume:
ein Posten im öffentlichen Dienst
und ein weiterer in den Stadien.

Des nachts ging die Liebe hinaus
in die Wäldchen, sich küssen;
aber an einem dünnen Faden
hing das Leben
bis er eines Tages riß
und ein Gewitter hereinbrach.


FAHRSTUHL

Fahrstuhl, der mich befördert
hinauf in den hundertsten Stock
und die Bestimmungen sind streng:
Nur für zwei Personen.
Der Korridor ein Tunnel
Bergwerk oder Säulengang
nur manchmal zu hören:
"Dritte Tür links".

Ich hatte dir versprochen
die Inseln des Paradieses
aber finde jetzt nur fluchend
und zornig den Zugang zu dir.

Fenster, die sehen
in die weite Unermeßlichkeit
Erinnerungen, die duften
nach Minze und Eukalyptus.
Schaust mich an hast Angst vor mir
daß ich töten könnte deine Träume
zu welch unbedeutendem Menschlein
verkam dein einstiger Held.


DIE TOTEN FINDEN KEINE RUHE

Vom Elend geschleift
dieses heilige Haus.
Vorgezeigt bis zum Gehtnichtmehr
von fremden Händen niedergerissen.
Dieses Haus!

Und Alexander der Große verspätet sich
verspätet sich, wann wird er kommen;
die Toten ruhelos
unter der Erde noch einen März.

Viel Arbeit braucht dieses Haus
die Ziegel müssen erneuert werden.
Doch wer zündet das Feuer an
um die Bruchbude abzubrennen.
Dieses Haus!


EINMAL

Einmal wird auch diese Liebe zu Ende gehn
und unsere Tränen
kehren zurück zu den geheimen Quellen.
Einmal, im großen Morgengrauen
der Mond, auch er wird erfrieren.

Wie sollst du reisen mit der Liebe
wie sollst du ziehen einen Strich
in ihre Enge treiben uns die Sirenen
lassen Denken und Körper sich entleeren.

Würde das Gras der Erde wachsen
aus unserer Ader
dem Leben herausschießen Wasserspiele das Licht.
Einmal wird die Zeit wiederkommen
und selbst das Blut eintrocknen.


EINSAMKEIT

Meine Liebe mit dem schwarzen Haar
Lied des Feuers, auf den Lippen Bitternis;
wer säte auf des Gartens Treppen
die Trennung an einem Dienstag im April.

Wenn du Geliebte nicht zuhaus bist
bedrückt mich die Dunkelheit
meine Einsamkeit zieht ihre Jacke aus
und den Kaffee kocht mir der Tod.

Du im Gebirge, vergessene Liebe
heute denkt keiner mehr an uns;
an dem Platz, wo schlug dein Herz
geht die Sonne unter geht zu Bett.


DEIN NAME IST KEIN WORT

Dein Name ist kein Wort
er ist ein leuchtender Baum
er ist meine Wurzeln in der Sonne
die Errettung aus dem Nichts.

Darum also, wenn ich dich rufe
wird zum Garten der Abgrund
der Agonie Geflüster
im Halbdunkel zum Psalm.

Er ist der Flügelschlag der Engel
im Altar einer Kirche
er ist der Schritt des Wolfes
am Rande des Sternenleuchtens.

Dein Name ist kein Wort
in der Abenddämmrung ein Blitz
er ist ein Sturm, der heranjagt
aus Richtung der Waldbrände, der antiken.


TRIPOLIS

Die Nacht steigt wie das Wasser
in meinem Zimmer
und aus einer Taverne nachts
dringen traurige Lieder
sie weinen um dich
und um mich.

An mein Fenster schlagen die Vögel
ein Sturm zieht herauf;
heute Schiffe auf dem offenen Meer
pfeifen und ziehen traurig fort
weinen für dich
und für mich.

Immer denke ich an jene Zeit
erinnere mich an Tripolis
wie sind die Jahre verflossen, Wasser
traurige Lieder erklingen
die weinen für dich
und für mich.


EMIGRANT

Ich schreibe immer nur traurige Lieder
schwermütige Volkstänze
ich, Emigrant ohne Herkunft
in diesem verratenen Land.

Meine Lieder, die weinen
im rebetischen Rhythmus
erzählen von den Verstoßenen
verfluchen die Mächtigen.

Ich schreibe immer Klagelieder wie die
aus Mani oder der Sirtos aus Ipiros
weil Griechenland tief in meiner Brust
erlischt verkommt und stirbt.


AM FREITAGMORGEN

In einer einsamen Kneipe
kam der Tod dich holen
dich mit deinen zwanzig Jahren
am Freitag morgen.

Dein Leben brachtest du herum
mit Flüchen und Verwünschungen
auf dem gekämmten Haar
Lorbeer und Chrysanthemen.

So viele Jahre zerstört
in einem ungleichen Kampf
und vom Ouzo dein Fluch
roch nach süßem Anis.

Deine Jacke in der Ecke
schweigsames Kind
Emigrant in Nea Makri
der du kamst aus Militos.


HEIMAT

Ein kalter Nordwind stieg herab
des nachts von der Akropolis
durchforstet die Blumen
weint und erzählt Byzantinisches:
Heimat du
sie würfelten um dich auf Pump!

Sind die Jahre versteinert
kommen und bedecken uns
wie soll ich mich nun erinnern
an Häuser und Menschen in der Tiefe
Heimat du
sie würfelten um dich auf Pump!

Der Körper von Andrutsos weint
wie das bittere Meer
Mensch wie änderten sich die Zeiten
heute herrschen über uns die Bayern
Heimat du
sie würfelten um dich auf Pump!

O Bitterkeit der Verzweiflung
du blühtest auf in unserm Schlaf
unbekannte fremde Schiffbrüchige
sind wir geworden im eigenen Land
Heimat du
sie würfelten um dich auf Pump!


Übertragen von © Asteris Kutulas



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