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"Raven" - Kommentar





Theodorakis heimlich in Oropos aufgenommen
Am 26. Oktober 1969 wird Theodorakis ins Straf- und Konzentrationslager Oropos bei Athen überführt. Als Grund gibt man an, er sei dort »leichter zu pflegen«.

Was von einem Konzentrationslager, wie Oropos eines war, sagen? Was zu den Schikanen, denen Theodorakis aufs Neue ausgesetzt ist? Was zu den disziplinarischen Brutalitäten, zu den entnervenden Querelen, die hier besonders quälend sind, da die Lagerhäftlinge politisch gespalten sind.

Von den 91 Gefangenen sind etwa 40 Anhänger der orthodoxen KP unter Koliyannis, 23 Mann gehören einer neuen Fraktion an, sich schlichtwegs »Chaos« nennt, die übrigen sind EDA-Mitglieder und haben keine straffe Organisation.

Unter diesen mißlichen Umständen schreibt er seine politischen Überlegungen nieder und komponiert die Kantate für Volkssänger, Chor und Orchester: »Raven«, auf ein Gedicht von Seferis nach E.A.Poe. Es ist eine »Chanson-fleuve« von tragischer Grundhaltung.

»Raven« beruht wieder einmal auf der lydischen Tonleiter, doch Theodorakis findet die Lösung der klanglichen Ergebnisse nicht ganz zufriedenstellend. Er widmet das Werk, das er allerdings noch als unfertig ansieht, seinem Komponistenkollegen Yannis Christou, der bei einem Unfall ums Leben gekommen ist.

Erst 1993, als er von »klassik komm« in Köln um ein Uraufführung gebeten wird, greift er die Musik wieder auf und findet eine Lösung für die Enharmonisierung und eine Auflösung der musikalischen Entwicklung, die ihn befriedigt.

Und so ist, für Mezzo, Harfe, Flöte und Streicher, »ein innerhalb meines Gesamtschaffens herausfallendes Werk, eine Art musikalischer Traum, abgehoben, jenseits der Realität« (Theodorakis im Programm zur Aufführung am 25. März 1994 in Köln) entstanden.


© Guy Wagner: Mikis Theodorakis. Ein Leben für Griechenland, 1995


RAVEN, AST 198
Für Mezzosopran, Flöte, Chor und Orchester
Komposition: 7.-15.1.1970, Konzentrationslager Oropos
Sätze:
1. Lento
2. Allgro moderato
3. Tempo primo
4. Lento
UA: Kulturpalast Dresden (DDR)
Maria Dimitriadi, Kammerchor der Singakademie Dresden, Yannis Zotos, dir.: Mikis Theodorakis

RAVEN, AST 296
Für Mezzosopran, Flöte, Harfe und Streicher
Sätze:
1. Adagio
2. In stesso tempo
3. In stesso tempo
4. Moderato
5. Meno mosso
6. Lento
7. Tempo I
UA; 2.3.1994, Megaron Mousikis, Athen
Alexandra Paptziakou (Mezzo), Maria Makropodi (Flöte), Maria Bildea (Harfe), Ethiniki Symphoniki Orchistra ERT, Ltg.: Mikis Theodorakis



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