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Cover der Schallplatteneinspielung
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Mit „Gesichter der Sonne" hatte Theodorakis 1986 die letzte intensive Zusammenarbeit mit einem griechischen Dichter begonnen, dem 1950 in Patras geborenen Dionysis Karatzas. Sie wurde auf dem Gebiet des Liedes zum konkretesten Ausdruck jener Phase seines Lebens, die der Komponist als seine „lyrische" bezeichnet hat. Es folgten danach: „Beatrice auf der Strasse Null" (1987), „Gleich einem antiken Wind" (1987) und „Ta Lyrikotera" (Die besonders Lyrischen, 1994-95, großenteils auf der Farantouri CD „Poetica" eingespielt).
Von diesen Vertonungen dürfte „Gleich einem antiken Wind" die Ungewöhnlichste und Originellste darstellen. Der Komponist selbst spricht von einer „Rhapsodie für 2 Stimmen und Quintett". Das Instrumentalquintett besteht aus Oboe und Englischhorn, Violoncello, Gitarre, Klavier und Kontrabass, und bereits diese Klangmischung ist einzigartig in Theodorakis' Schaffen.
Der Begriff „Rhapsodie" kommt aus dem Griechischen und bedeutet „flicken", „nähen". Er weist demnach auf ein Werk hin, das aus aneinandergereihten Tänzen oder Melodien besteht. Musikalisch ist die „Rhapsodie" an keine Form gebunden und wirkt oft improvisiert.
Bei Theodorakis haben wir es aber nicht im geringsten mit einem „Flickwerk" zu tun, im Gegenteil! Die Gestaltung der Lieder ist von intensiver Feinheit und Klarheit und lässt ein besonders schön durchdachtes Konstruktionsmuster erkennen. „Gleich einem antiken Wind" besteht aus zwölf epigrammatischen Liedern, die als Kontinuum in Musik umgesetzt sind: Eines geht ins anderes über. Die Instrumentalbegleitung ändert ständig, und für jedes Lied übernimmt ein anderes Instrument die Begleitung und setzt die Akzente. So entsteht ein eigenartiger und einzigartiger melodische Fluss, der mit der ersten Note einsetzt und erst mit der letzten aufhört. In diesen Melodiefluss eingebettet sind eine Frauenstimme und eine Männerstimme.
Die Identifikation zwischen Wort und Melodie, Gesang und Musik ist außergewöhnlich. Die Präzision der knappen Texte findet sich in kurzen prägnanten, hochkonzentrierten Musiken wieder. Theodorakis gestaltet, ganz im Geiste jenes Lyrismus, der sein Schaffen in den beiden letzten Jahrzehnten bestimmt hat, eine ebenso ergreifende wie nostalgische Atmosphäre, die den Zuhörer in ihren Bann schlägt und erst lange nach dem Verklingen der letzten Worte und Noten wieder loslässt.
© Guy Wagner, 2002
GLEICH EINEM ANTIKEN WIND, AST 279
Gedichte: Dionysis Karatzas
Komponiert: 15.-29.3.1987 / 14.4.1987 (Endform) in Athen und Vrachati
Titel:
UA: 29.4.1987 Piräus
Mikis Theodorakis, Sophia Michailidou, Instrumentalquintett
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