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Arkadia VIII - Gedichte




1 - ICH SPRECHE - MILO

Ich spreche von den barfüßigen Müttern
Die zwischen den Ruinen umherirren
Von den angezündeten Städten
Von den Leichen die sich in den Straßen häufen
Und von den Dichterluden
Die des Nachts vor Angst erstarren
Auf ihrer Türschwelle
Ich spreche von den endlosen Nächten
Wenn das Licht abnimmt
Am Tagesbeginn
Von den überlasteten Lastern
Und von den Schritten
Auf den feuchten Steinplatten
Ich spreche von den Gefängnishöfen
Den Tränen des zum Tode Verurteilten
Aber ich spreche vor allem
Von den Fischern
Die ihre Netze aufgaben
Um Seinen Schritten zu folgen
Und als Er müde wurde
Da ruhten sie nicht
Und als Er sie verriet
Da gaben sie nicht auf
Und als Er verherrlicht wurde
Da wandten sie den Blick

Man spuckte ihnen ins Gesicht
Man kreuzigte sie
Aber immer noch Luftmenschen
Nahmen sie einen Weg ohne Ende,
Ohne dass ihr Blick
Sich trübte oder wankte
Aufrecht und allein
In der furchtbaren Einsamkeit der Menge.

(Nachdichtung: G.W.)


2 - CHARIS 1944

Wir waren alle zusammen
und entfalteten unermüdlich unsere Zeit.
Wir besangen ganz leise
die Tage, die kämen
mit bunten Visionen beladen.
Charis sang,
wir schwiegen.
Seine Stimme erweckte
tausendfach Feuer -
Tausende kleiner Feuer,
die unsere Jugend entfachten.
Tage und Nächte versteckte er sich
vor dem Tod
in jede Ecke und Gasse
und hoffte,
den eigenen Körper vergessend,
den andern den Frühling zu schenken.
Wir waren alle zusammen,
doch wir ahnten:
Charis war alle.
Eines Tages flüsterte uns jemand ins Ohr:
"Charis ist tot",
"Ermordet", oder ähnliches.
Worte, die wir täglich vernahmen.
Niemand sah ihn.
Es war Dämmerung.
Mit geballten Fäusten, wahrscheinlich,
wie immer.
In seinen Augen leuchtet
die Freude unseres neuen Lebens
unauslöschlich.
Doch das war alles einfach
und die Zeit war knapp ...
Niemand wird fertig ...
Wir sind nicht alle mehr zusammen:
zwei, drei emigrierten,
ein anderer zog in die Ferne,
mit unbestimmter Gebärde,
und Charis ermordet.
Auch andere gingen, und andere kamen,
sie füllten die Straßen.
Uneingedämmt ergießt sich die Menge,
wieder flattern die Fahnen.
Der Wind peitscht die Wimpel.
Lieder erfüllen den Abgrund ...
Und wenn aus den Stimmen,
die abends gnadenlos
die Mauern durchdringen,
eine dich anspricht: seine ist es.
Sie entfacht kleine Feuer,
tausendfach kleine Feuer,
die unsere ungezähmte Jugend erwecken.
Seine Stimme ist es,
die in der Menge widerhallt
wie die Sonne,
die die Menge umarmt wie die Sonne,
die in die Bitternis sticht wie die Sonne,
die uns wie die Sonne
goldene Städte zeigt,
vor uns geöffnet
von Wahrheit umflutet
im heiteren Licht.


© Manolis Anagnostakis



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