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"Epiphania"





George Seferis
Mit "Epitaphios" hat Mikis Theodorakis in Griechenland die Kulturrevolution ausgelöst.

Etwas später veröffentlicht er die Lieder, die er auf Texte des politisch eher konservativen Giorgos (Yorgos) Seferis (Nobelpreisträger von 1963) komponiert hat, unter dem Titel "Epiphania"..

Da er sich an dieses Monument der griechischen Literatur - Seferis ist zu jenem Zeitpunkt Botschafter Griechenlands in Großbritannien - heranwagt, geht die Kontroverse um ihn weiter. Diesmal wird sie von links geschürt.

Der Zyklus "Epiphania" gehört aber zweifellos zu den einfachsten und gleichzeitig schönsten Werken des Komponisten, und sein Wert wird denn auch, jenseits aller Streitigkeiten, sehr bald erkannt.

Überhaupt trifft Theodorakis mit seinen Melodien den "Nerv" des Volkes. Sie gehören sehr schnell zum Volks-Gut, und zwar so sehr, daß ihr Autor dahinter verschwindet. Zwar weiß man meistens, daß sie von Theodorakis geschaffen sind, man vergißt es aber, so daß die Melodien von jedem, ob Freund oder Feind, gesungen werden.

Damit wird ihre Popularität zu jenem Zeitpunkt, da sie Griechenland erobert, - nämlich vor den berüchtigten Wahlen vom 29. Oktober 1961, die als der größte Wahlschwindel in Griechenland Geschichte machen werden, - allerdings für die politische Rechte gefährlich. Diese vier Melodien, vor allem die erste: "Verzicht" (Arnissi - Sto Perighiali), riskieren, zum Zündstoff gegen die Regierung zu werden.

Die Rechte hat sehr schnell erkannt, daß auch hinter den harmlosesten Texten eine Volkskultur, ein Bewußtsein stehen, die den Aufstand proben und sich zu Gehör bringen wollen.

Und der Wortführer dieser Volkskultur heißt Mikis Theodorakis.

Dazu Theodorakis selbst:

"Es konnte ja auch niemand sprechen. Griechenland war sozusagen von der Welt abgeschnitten. Es kam zu einem heftigen Disput mit Seferis, der damals Botschafter in London war. Er sagte mir: 'Du verrätst Dein Land.' Ich antwortete ihm: 'Mein Land, das ist nicht Karamanlis.' Seferis sagte mir dann: 'Wenn Du so weiterfährst, machst du keine Musik mehr, sondern die Revolution. Du bist dann nur mehr imstande, Militärmärsche zu schreiben.' Er war schrecklich erbost. Und dabei hatte man mir auf der Linken heftige Vorwürfe gemacht, weil ich Texte von ihm und von Elytis, der auch ein rechtsgesinnter Dichter ist, vertonte. Meine Antwort darauf: 'Alles was schön ist, gehört uns allen.'" (Gespräch in Paris mit Guy Wagner vom 2. & 3. 11. 1980).

Nachdem Seferis die Lieder gehört hatte, die ihm sofort gefielen, sollte er sich 1962 freudenstrahlend bewußt werden, daß ein ganzes Volk sein Gedicht "Sto Perighiali" zu singen imstande war.


© Guy Wagner


EPIPHANIA, AST 137
Komposition: 1.12.1960 - Okt.1961
Titel:
1. Lossagung / Verleugnung
2. Ich hielt mein Leben
3. Blumen des Felsens
4. In den Meereshöhlen
UA: 13.11.1961 in Athen
Grigoris Bithikotsis, Orchester, Mikis Theodorakis



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