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"Eluard-Lieder" - "Epitaphios"





Mikis Theodorakis, Nena Venetsanou et Sarandis Kassaras Photo: Charis Akrivadis
Nena Venetsanou und Elena Mouzalas haben mir ein sehr schönes Geschenk gemacht: die erste Einspielung der 10 Lieder von Eluard, 42 Jahre nachdem ich das Werk komponiert habe!

Ich will Nena ebenfalls beglückwünschen für ihre Idee, auf einer gleichen CD zwei so verschiedene Werke zu vereinigen, wie die Eluard-Lieder und Epitaphios, die dennoch im selben Jahr, 1958, in Paris geschrieben wurden, nur durch einige Monate getrennt ...

So bringt diese Konfrontation, sozusagen Seite an Seite, die zwei verschiedenen Aspekte meines musikalischen Charakters, zwischen die sich ein so großer Abstand einstellen sollte, eben wegen der Komposition des Epitaphios und aller folgenden Zyklen, die im gleichen Geist entstanden. Mit dem Unterschied, dass das eine der Gesichter - das von Epitaphios - berühmt wurde aus den Gründen, die jeder kennt, während das der Eluard-Lieder im Dunkel blieb, jedenfalls für das große Publikum, ganz besonders in meinem Land.

Wie dem auch sei, persönlich denke ich, dass die Unterschiede solche der Ausdrucksmittel und der Auswahl der Techniken sind, während sie in ihrem Kern im wesentlichen in beiden Fällen gleich bleiben.

Die Eluard-Lieder entstanden auf Bitte von Jean Bathori, die in ihrer Jugend die beliebteste Interpretin der Lieder von Claude Debussy und vieler anderer war. Und während alles sehr gut mit Konzerten und den Wiedergaben des französischen Rundfunks begonnen hatte, griffen die Erben von Eluard plötzlich ein, um die Zerstörung dieser Lieder zu fordern; sie sahen mich zweifellos als den schänderischen Balkanmenschen an, der es gewagt hatte, das Allerheiligste der französischen Poesie an sich zu reissen. Erst viel später, in den Jahren 80, gelang es meinem französischen Verleger, die Aufführungsgenehmigung des französischen Verlegers des Dichters zu erhalten, und so kamen die 10 Lieder nach und nach wieder an die Öffentlichkeit...

Wenn man die Verse des französischen Dichter liest, stellt man fest, wie nahe man dem Klima der griechischen Dichter ist, die ich kaum zwei Jahre später in Musik umsetzte: Seferis und vor allem Elytis. Beim Hören der Musik findet man eine Menge von musikalischen Elementen, die den ganzen Zeitraum zwischen 1960 und 1980 umfasst, während dem ich mich ausschließlich der Umsetzung von Dichtung in Musik gewidmet habe.

Es war für mich faszinierend, gleich nach Ende der Eluard-Lieder, die bedeutende Interpretation des Epitaphios mit dem außergewöhnlichen Beitrag von Sarandis Kassaras zu hören. Dies ist, als ob man in eine in jeder Hinsicht ganz verschiedene Welt eindringt.

Wir verlassen die Nebel einer Welt, - und seien sie magisch - die auf sich selbst bezogen ist, und werden plötzlich vom gleißenden, sowohl äußeren als inneren Licht der neohellenischen Sensibilität und Ästhetik eingehüllt, das uns die Lungen mit reiner Luft füllt, und vom Bewusstsein jener wilden Freude, die uns die Möglichkeit bietet, inmitten von so viel Schönheit jeder Art zu leben: physischer, geschichtlicher, kultureller...


Athen, November 2000

© Mikis Theodorakis - Deutsche Übersetzung © Guy Wagner



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