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Göttinger Gymnasiasten treffen Mikis Theodorakis




Im September 2002 reisten 21 Schülerinnen und Schüler des Göttinger Max-Planck-Gymnasiums unter der Leitung von Dr. Martin Biastoch (Gr/La/Ge) und Ilse Jany (E, Pol) im Rahmen des Seminars „Umwelt und Kultur in Griechenland“ durch Hellas:

Am ersten Tag in Athen erlebten wir einen unvergleichlichen Abend. Durch „Kontakte“ war der große Komponist und Politiker Mikis Theodorakis auf unsere Studienfahrt aufmerksam geworden. Er zeigte sich interessiert, die Schülerinnen und Schüler aus Deutschland kennenzulernen. Also bereiteten wir uns in Deutschland durch Referate auch über die griechische Geschichte im 20. Jahrhundert und über das Leben und Werk des großen Komponisten vor. In Athen angekommen, studierten wir im Deutschen Archäologischen Institut unter Leitung von Prof. Dr. Niemeier das sehr bekannte Lied „sto periali to krifo“ ein, ein Text des griechischen Literaturnobelpreisträgers Jorgos Seferis in der Vertonung von Mikis Theodorakis. Für den Abend des ersten Tages unserer Reise hatte uns Theodorakis in das Lykabettos-Theater zu einem Konzert eingeladen. Die berühmte Sängerin Glykeria und der auch international bekannte Paschalis Terzis sangen Lieder aus dem Lebenswerk von Theodorakis. Eine mitreißende Stimmung herrschte in dem Halbrund des ausverkauften Amphitheaters hoch über dem nächtlichen Athen. Hier waren wir sicherlich die einzigen Ausländer.


Während der Pause mit Mikis Theodorakis


In der Pause wollte Theodorakis die Schüler aus Göttingen persönlich kennenlernen. Ehrfurchtsvoll näherten wir uns ihm. Theodorakis begrüßte uns herzlich und freute sich sehr, daß die griechische Sprache und Kultur in Deutschland so weit verbreitet ist.

Als kleine Überraschung brachten wir ihm nun unser Ständchen dar und sangen mit ihm „sto periali“. Kaum waren die ersten Töne erklungen, umringten zahllose Reporter unsere Gruppe. Interviews wurden gegeben, Blitzlichtgewitter erhellte den Nachthimmel.

Das Konzert ging nun weiter. Glykeria und Terzis interpretierten nun auch Lieder von Theodorakis aus der Zeit des Widerstandes gegen die Diktatur in Griechenland. Die Zuhörer waren mitgerissen von den Melodien und Texten. Schließlich betrat Theodorakis selbst unter rasendem Beifall die Bühne. Er erzählte von seiner Internierung in einem griechischen Konzentrationslager bei Oropos und stimmte dann sein mahnendes Lied „me xechnas ton Oropo“ (Vergiß nicht Oropos!) an. Wohl alle im Theater waren tief ergriffen.


Auf der Bühne mit Theodorakis, Glykeria und Terzis


Da sprach Theodorakis nun sein Publikum an und erzählte von einer Überraschung. Er teilte den etwa 7000 Zuhörern mit, daß eine Schülergruppe aus Deutschland im Theater sei und sie ein Lied von ihm kennen. Theodorakis bat die Schüler und Lehrer aus Deutschland auf die Bühne: „Elate, pedia!, damit wir gemeinsam nun dieses Lied hier singen können!“ Unter großem Applaus verließen wir unsere Plätze und näherten uns der Bühne. Die Band begann, die Melodie zu spielen. Wir sammelten uns um Theodorakis und sangen gemeinsam mit Glykeria und Terzis die drei Strophen unseres Liedes. Die Menge im Theaterhalbrund war begeistert, Reporter fotographierten, ein großer Applaus beendete dieses Konzert nach Mitternacht.

Am nächsten Tag kamen wir von unserer Attika-Rundreise über Oropos (!), Marathon und Sunion zurück und fanden im Hotel ein großes blaues Packet für das Max-Planck.Gymnasium vor. Absender: Mikis Theodorakis! Mikis hatte für jeden von uns den neuen Band seiner in deutscher Sprache erschienenen Autobiographie „Bis er wieder tanzt“ (Insel-Verlag) signiert und geschenkt, ebenso einen Gedichtband und seine neueste CD.
Das Lied „sto periali to krypho“ begleitete uns auf unserer weiteren Reise. Wir trugen es in Epidauros vor, sangen es im Bus und auch in einer kleinen, traditionellen Taverne am Strande von Tolo zu den Klängen einer Bouzuki.


Text und Bilder wurden uns von © H. Dr. Martin Biastoch zugesandt. Wir freuen uns, sie zu veröffentlichen.





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