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Geburtstagsständchen (Photo: Frans Deegens)
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Der griechische Komponist Mikis Theodorakis («Zorbas») hat am Samstagend seinen 75. Geburtstag mit einem Open- Air-Konzert in München gefeiert. - Von Michael Fox, dpa München
Bei kühlem und regnerischem Wetter verfolgten mehrere tausend Zuschauer auf dem Königsplatz fast drei Stunden lang die «Griechische Nacht» zu Ehren des weltberühmten Jubilars. An der Gala wirkten Künstler wie Milva, Maria del Mar Bonet und Maria Farantouri mit, die allesamt Lieder des Musikers sangen.
«Ein Dichter braucht ja keinen Mut», heißt es in einem Lied des Komponisten ironisch. Dass politische Künstler davon gar nicht genug haben können, zeigt das Leben des 75-Jährigen: Musiker wurde der 1925 auf der Ägäisinsel Chios geborene Theodorakis nach einem Studium im Athener Konservatorium. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er Widerstandskämpfer. Als Komponist wurde Theodorakis in den 60er Jahren weltweit bekannt mit der Filmmusik zu «Alexis Zorbas», dem Inbegriff von Leben und Leidenschaft. Danach kämpfte er gegen die Obristenjunta in seiner Heimat (1967-1974). Er wurde festgenommen und gefoltert, seine Lieder waren verboten. Im Pariser Exil komponierte er «Axion Esti», «Das Lied vom Toten Bruder» und den «Canto General».
Nach der Wiederherstellung der Demokratie kehrte er in seine Heimat zurück und startete eine wechselvolle politische Karriere. Theodorakis wurde Abgeordneter für die Kommunisten und die Konservativen. Eine Weile lang war er Minister, dann näherte er sich den Sozialisten. Doch Opportunist war Theodorakis nie: Er ist, wie es in Athen heißt, die «Stimme der Volkes», stets kämpft er gegen angemaßte Autorität und Unrecht. Und wenn die Partei, die er gerade unterstützt, auch nur einen Fehler macht, dann zögert Theodorakis nicht, seine ehemaligen politischen Freunde anzugreifen.
Doch am liebsten spricht Theodorakis durch seine Lieder: Auf dem Königsplatz erklangen am Samstagabend regelrechte Hymnen aus einer Zeit, in der es noch kein MTV gab. Mal in englischer, mal in katalanischer Sprache wurden die Lieder von Theodorakis («Sonne der Gerechtigkeit», «Sehnsucht») vorgetragen, doch haben sie längst eine eigene Sprache, die das kundige Publikum auch in Deutschland ohne diverse Fremdsprachenkenntnisse versteht.
«Vor dem Gesetz sind alle gleich - nur eine Minderheit ist gleicher - und die ist auch ein bisschen reicher.» Als Milva, mit grellend-rotem Kleid und Haaren, dem Geburtstagskind ihr Ständchen singt, kommt im Publikum Stimmung auf. Beim Höhepunkt des Abends stört dann die empfindliche Kühle der bayerischen Sommernacht trotz einsetzenden Regens kaum noch: Energisch leitet Theodorakis die 160 Musiker des Athener Staatsorchesters und Rundfunkorchesters, die Höhepunkte aus seinen musikalischen Welterfolgen «Canto General» und «Alexis Zorbas» spielen. Der 75-Jährige ist in seinem Element, immerhin hat er einmal gesagt: «Wenn ich dirigiere, erlebe ich die besten Momente meines Lebens.»
Das Publikum - eingehüllt in Wolldecken, abgeschirmt mit Plastikjacken - dankt dem schweigsamen Komponisten mit anhaltendem Jubel. Doch so sehr die Lieder des Abends neben der Freiheit auch die Sonne, die Wärme, das Meer besingen, im kühlen Münchner Sommer mit Regen und heftigen Windböen geht das Motto der «Griechischen Nacht» nicht auf. «Bei dem Wetter ist es eher eine irische Nacht», sagt eine Besucherin. Vielleicht ist das der Grund, dass Theodorakis seinen nächsten runden Geburtstag in der Heimat begehen will. «Wir werden meinen 80. Geburtstag in Griechenland feiern», sagte der Jubilar kurz nach dem Konzert beim Empfang im Nobelhotel Bayerischer Hof.
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