Von Jürgen Höpfl (Mainpost)
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Mikis Theodorakis und Ulf Klausnitzer (Photo: Erwin Szauer)
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Minutenlange stehende Ovationen. Ein zutiefst ergriffenes, dankbares Publikum. Ein gerührter Ehrengast: Der Besuch von Mikis Theodorakis beim Wernecker Kammerorchester und dessen Geburtstags-Hommage "Happy Birthday, Mikis" bei den 30. Schlosskonzerten entpuppten sich als Ereignis von rarem Rang, als großartiger Abend. Und dies, obwohl die örtliche Beton-Kirche im Vergleich zum Schlosspark, wo das Konzert passenderweise hätte stattfinden sollen, eine eher starre, nüchterne Umgebung abgab.
Vom ersten bis zum letzten Ton spielte diese Umgebung dann aber keine Rolle mehr, weil sich die Wernecker der Theodorakis-Werke mit spürbarer Freude annahmen. Weil sie nebst den technischen Feinheiten auch aufs emotionale Innenleben der Stücke achteten. Weil sie mit viel Seele musizierten - und den großen Griechen so selbst jenen Besuchern zugänglich machten, die von ihm bis dahin höchstens Anthony Quinns Sirtaki aus "Alexis Sorbas" kannten.
Mit diesem Kino-Hit, mit dieser sicher berühmtesten Komposition von Mikis Theodorakis, hatten die Lieder und Oden dieses Abends formal allenfalls noch die kleinen Intervalle der melodischen Linien gemein, die Sekunden-Schritte von Es und E zu F und Fis. Inhaltlich vielleicht auch die melancholische Leidenschaft. Das von Theodorakis persönlich als "abgehobener Traum jenseits der Realität" bezeichnete Raben-Poem von 1937 spielt jedoch derart subtil mit den Tonleitern und -farben, dass man sich bei Claude Debussy wähnt.
Weniger schwebend, sondern klassischere Gedanken verfolgend, auf einem reinen F-Ton wurzelnd und einem B-Dreiklang endend, präsentiert sich die schlicht schöne Sinfonietta von 1948. Vor allem das spektakulär gezupfte Scherzo darin dürfte etliche Werneck-Besucher motivieren, eine CD-Aufnahme der Sinfonietta käuflich zu erwerben - falls es dereinst eine gibt.
Als dieses Scherzo zur Zugabe unter der beherzten Leitung von Ulf Klausenitzer ein zweites Mal erklang, saß Mikis Theodorakis still in sich hinein lächelnd daneben. "Ich liebe den feinen Ton dieses Ensembles", hatte er zuvor gesagt (in einem längerem Gespräch mit dieser Zeitung, dessen Auszüge wir zu seinem 75. Geburtstag am 29. Juli veröffentlichen werden). Und es war in der Tat erstaunlich, welche Empfindung das Orchester weckte, halb unter Klausenitzers Leitung, halb unter Theodorakis eigener, großer Spannweite. Es war in der Tat enorm, welche Einheit es mit seinen Solisten immer wieder fand, ob mit der Mezzosopranisten Alexandra Gravas oder mit Florian Henschel, Meisterklassen-Schüler aus Würzburg, am Flügel.
Ach Gott, wie herrlich hätte als i-Tüpfelchen obendrauf nach allem nicht enden wollenden Jubel noch der Alexis Sorbas gepasst. Aber wie gut, dass nicht drei, vier Musiker spontan auf die Idee kamen, den Sirtaki anzustimmen: Vermutlich hätte die Kirche getanzt.
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