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In
meinem Haus in Vrachati finde ich auch die Erinnerung an meinen Freund,
den Lehrer Giorgos Photinos,
wieder.
Zur Zeit des Bürgerkriegs, in den Jahren 1945 bis 1947, war
Giorgos zum Tode verurteilt worden. Er kam glücklich davon.
1949, im Konzentrationslager von Makronissos, sahen wir uns dann
wieder. Manchmal begegneten wir uns bei der Zwangsarbeit - eine der
«Arbeiten der nationalen Umerziehung», die im
Transportieren von Stacheldrahtrollen bestand. Wir waren schmutzig,
seit Wochen unrasiert. Der Nordwind fegte mit Macht über die
öde Insel und vernichtete alles auf seinem Weg. Wir schlugen den
Kragen hoch und zogen die Mütze tiefer ins Gesicht, so dass nur
noch die Augen zu sehen waren. Jedes Mal, wenn wir uns erkannten,
ließen wir den Stacheldraht fallen und umarmten uns.
Am 26. März 1949 wurde ich mit jener Gruppe weggebracht, die den
fürchterlichsten Misshandlungen ausgesetzt war; wir wurden in
Erinnerung an das Datum «Martiaten» genannt.
Ständig erklangen in mir die Melodien meiner Ersten Sinfonie, die sich auch
durch die Schläge, die ich auf den Kopf erhielt, nicht
verflüchtigten, sondern im Gegenteil immer mächtiger in mir
wurden.
Sechs Jahre später, 1955, wurde die Erste Sinfonie vom Athener
Nationalorchester aufgeführt. Ich befand mich damals am
Konservatorium in Parts, und Giorgos lebte als Volksschullehrer in
irgendeinem verlassenen Dorf in Griechenland.
Zufällig hörte er die Übertragung meines Werks im Radio,
und unter dem Eindruck dieser Musik schrieb er das Gedicht Unsere
Schwester Athina, in dem immer wieder von Stacheldraht und
Orangenbäumen die Rede ist und aus dem hier in Vradiati ein «unendliches
Lied» entsteht.
© Mikis
Theodorakis>
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