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Ich fange wieder
an
zu komponieren und ... denke an Marina. Als ich nach meiner Verhaftung
bei der Sicherheitspolizei eingesperrt war, befand sich Marina zusammen
mit einem anderen Mädchen in dem Flur gegenüber der Zelle 1.
Später sollte sie in den Frauenblock überführt werden.
Während meines Hungerstreiks hörte ich, wie sie den
Gefängniswärter anschrie.
Später
schrieb sie dann ein unvergleichlich schönes, mutiges und wahres
Gedicht. Als ich es zu sehen bekam, war ich von jedem Wort, jedem Bild,
jedem Symbol zutiefst ergriffen. Ihre Worte verletzten mich.
Trösteten mich. Befreiten mich. Das war unsere Stimme. Unsere
Hoffnung, die, wie es in dem Gedicht heißt, "eine faule Traube
wurde". Das war unser Zorn. Unsere Bitterkeit. Aber auch unsere
Stärke. In Nea Smyrni nahm ich mir zunächst den ersten Teil
des Gedichtes vor und schrieb in einem Zug die Musik.
Hier in
Vrachati, schreibe ich im Laufe des Monats Mai, die Musik zum zweiten
und dritten Teil. Was die musikalische Form anbetrifft, habe ich die
Gelegenheit, mit diesem Werk das zu bestätigen, was ich mit Epiphanie-Averoff
begonnen hatte. Das neue Lied ist ein "unendliches Gedicht" in drei
Teilen. Der ursprüngliche Titel hieß Frauengefängnis
Averoff, weil ja das Gedicht nach der Verurteilung Marinas durch
das Militärgericht entstanden war. Marina vernichtete das Gedicht
sofort nach seiner Entstehung, und nur ihrer Mitgefangenen Athina, die
jedes Wort gewissenhaft abschrieb, ist es zu verdanken, daß es
nicht verlorenging. Jetzt erhält das Werk seinen endgültigen
Titel: Belagerungszustand.
Aus: Mein
Leben für die Freiheit
März 1968
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