Biographische Angaben

Chronologie

Interviews

Stellungnahmen

Aussagen

Zeugnisse

Ehrungen

Werkkatalog

Gedanken zum musikalischen Œuvre von Mikis Theodorakis - NEU

Byzantinische Musik

Kammermusik

(Meta)symphonik - Oratorien

Ballette

Bühnenmusik

Opern

Liedflüsse

Liederzyklen (1974-1995)

Liederzyklen (1937-1973)

Filmmusik

Gedichttexte

Autorenbiographien

Allgemeines - NEU

2012

2011

2010

2009

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

2000

Vor 2000

2011

Asti's Seiten

Calendar

Ankündigungen

Rezensionen

Opernedition zum 75. Geburtstag auf Intuition Classics

29.07.05: "First Songs" erschienen

THEODORAKIS BEI INTUITION RECORDS (SCHOTT MUSIC)

THEODORAKIS BEI PEREGRINA

THEODORAKIS BEI EDEL / BERLIN CLASSICS

THEODORAKIS BEI TROPICAL MUSIC

Vollständige Diskographie

Kommentare zu CDs

Maria Farantouri

Freunde und Partner

Musiker

Sängerinnen und Sänger

Tondokumente

Photodokumente

FILIKI

Theodorakis tritt seine Archive ab

Theodorakis in den Enzyklopädien.

Gästebuch

Ein Leben für Griechenland

Theodorakis' Gedichte

Mia Zoi yia tin Ellada


English

Français



Sie befinden sich hier Werke Autorenbiographien

Yannis Ritsos






Yannis Ritsos in Dresden 1984 (Photo Guy Wagner)
Yannis Ritsos wurde am 1. Mai 1909 an Monemvassia (Griechenland) geboren, als Jüngster einer vornehmen Familie von Landbesitzern.

Mit zwölf Jahren erlebt er den wirtschaftlichen Ruin der Familie, den frühen Tod der Mutter und des ältesten Bruders und der Internierung seines an Geistesstörungen leidenden Vaters.

Er selbst verbringt später vier Jahre (1927-1931) in einem Sanatorium, um eine Tuberkulose auszukurieren.

Diese tragischen Ereignisse markieren nicht nur ihn persönlich, sondern auch sein späteres Werk.

Seine Lektüren verstärken in ihm den Drang, Dichter zu werden und Revolutionär.
Seit 1931 steht er der K.K.E., der kommunistischen Partei Griechenlands, nah.

Er verbindet sich mit einem Kreis von Werktätigen und veröffentlicht Traktor (1934), inspiriert von Maiakowski's Futurismus, und Pyramiden (1935), zwei Werke, die immer ein zerbrechliches Gleichgewicht herstellen zwischen seinem Zukunftsglauben, der auf dem kommunistischen Ideal beruht, und seiner persönlichen, inneren Verzweiflung.
1936 verwendet er in dem langen Gedicht Epitaphios die Form der traditionellen volkstümlichen Poesie und vermittelt in einer einfachen Sprache eine rührende Botschaft der Brüderlichkeit. Die Musik von Theodorakis zu diesem Werk wird 1960 der Auslöser der Kulturrevolution in Griechenland sein.

Das diktatorische Regime von Metaxas zwingt Ritsos ab August 1936 zur Vorsicht, um so mehr als Epitaphios öffentlich verbrannt wurde.

Der Dichter erforscht gewisse Eroberungen des Surrealismus: den Zugang zum Bereich des Traumes, überraschende Assoziationen, die Explosion der Bilder und eine Lyrik, die schöne und herbe Erinnerungen wachruft, in der aber eine seltsame Beklemmung durchscheint: Lied meiner Schwester (1937), Frühlingssymphonie (1938), Marsch des Ozeans (1940). Auszüge dieser beiden Werke stellen die Grundlage der Siebten Symphonie von Theodorakis dar (1983-1984), die deswegen den Titel "Frühlingssymphonie" trägt.

In Alter Mazurka im Rhythmus des Regens (1942) verdeutlicht Ritsos erstmals seine Bindung an den griechischen Geistesrraum, das "Griechentum" als Inhaber des geschichtlichen Gedächtnisses, und dieses "Romiossini" wird sein ganzes zukünftigen Œuvre durchtränken. Zeugnisse dieser Verbundenheit sind der Zyklus Romiossini, erst 1954 veröffentlicht und 1966 in Musik gesetzt von Theodorakis: eine beklemmende Hymne an das am Boden liegende aber unbesiegte Griechenland, und Die Herrin der Weinberge (1945-1947), woraus ein Auszug in die Siebte Symphonie von Theodorakis eingeht.

Während des Bürgerkrieges kämpft Ritsos gegen die faschistische Rechte ein, was ihm vier Jahre Gefangenschaft in verschiedenen "Rehabilitations"-Lagern einbringt: Limnos, Ayios Efstratios, Macronissos. Trotzdem verwirklicht er in dieser Zeit eine bedeutende literarische Produktion, die ihren Niederschlag findet in Schlaflosigkeit (1941-1953) und in einer ausgedehnten "poetischen Chronik" dieses fürchterlichen Jahrzehntes: Die Nachbarschaften der Welt (1949-1951), die Grundlage einer anderen bedeutenden Zusammenarbeit mit Theodorakis.

Es folgen die großen Werke seiner Reifezeit: Mondscheinsonate (1956) – Nationalpreis der Poesie – , Wenn der Fremde kommt (1958), Die Greisinnen und das Meer (1958), Das tote Haus (1959-1962).

Dieses Werk leitet die Reihe der langen Monologe ein, die durch die Mythologie und die antike Tragödie inspiriert sind: Orest (1962-1966), Philoktet (1963-1965)..

Die durch einen Staatsstreich an die Macht gekommene Militärjunta verbannt Ritsos zwischen 1967 und 1971 erneut auf zwei Konzentrationsinseln: Yaros und Leros, und belegt ihn danach mit Hausarrest auf Samos, was den Dichter aber nicht davon abhält, sein großes Werk weiter anzureichern und die von der Antike ausgehende Inspiration auszuwerten: Persephone (1965-1970), Agamemnon (1966-1970), Ismene (1966-1971), Ajax (1967-1969) und Chrysothemis (1967-1970), auf den Inseln seiner Verschleppung geschrieben, Helena (1970-1972), Die Rückkher der Iphigenie (1971-1972), Phädra (1974-1975).

Vierte Dimension gruppiert alle Texte, die die Form des theatralischen "Monologs" haben und die von antiken Mythen inspiriert sind.

Die Helden dieser Werke befinden sich oft vor einem Konflikt oder an der Schwelle des Todes, im Augenblick, in dem es darum geht, die Bilanz des Lebens zu ziehen. Indem sie sich an einer stumme Person (Zuhörer / Leser) wenden, lassen sie sich auf Abschweifungen und Anachronismen ein.

Tatsächlich sind alle diese Gedichte eine Meditation über das Altern, den Tod, die Zeit, den Verfall vertrauter Orte, die Geschichte und die Zerrissenheit einer Existenz zwischen den persönlichen Anforderungen und den kollektiven Notwendigkeiten, über die Einsamkeit des Einzelnen und die Krise der revolutionären Bewegungen.

Zugleich mit der Summe, die Vierte Dimension darstellt, schreibt Ritsos mehrere Reihen von kurzen Gedichten, die den wachen Alptraum seines Volkes spiegeln: Die Wand im Spiegel (1967-71); Steine Wiederholungen Gitter (1968-1969), Papiernes (1970-1974), Korridor und Treppe (1970), Achtzehn kleine Lieder der bitteren Heimat (1968-1970), von Theodorakis 1973 in Musik gesetzt, Der Sondeur (1973).

Ab 1970 nimmt die Poesie von Ritsos die Form von langen Synthesen an, in denen onirische Brüchen, Tagträume und das Surreale beständig in das Tagesgeschehen eingreifen mit der Anwesenheit von eigenartigen Personen und dem fortwährenden Wechsel von Zeit und Raum. Eine Welt entsteht vor uns in Das Werden (1970-1977), Türklopfer (1976) oder Siegeslieder (1977-1983), die die Schönheit des Lebens besingen, während Erotika (1980-1981) zur eklatanten Hymne der Liebe in allen ihren Dimensionen wird und die Monochorde (1980) die extreme Konzentration zeigen, zu der Ritsos' Expressivität geführt hat.

In den Jahren 80 wendet sich Ritsos auch der Prosa zu. Neun Bücher sind unter dem Titel Ikonostase der anonymen Heiligen vereinigt (1983-1985). Diese Prosa setzt alles Errungenschaften des Dichters ein: Freiheit der Metaphern, Abwechslung zwischen Wirklichkeit und onirischen Träumen, plötzliche Brüche, kühne Sprache, Entfaltung der Sinne und der Sinnlichkeit, die sich auf ein erotisches Universum öffnen, wo die Zeiten und die Generationen koexistieren.
Ritsos' letzte Gedichtsammlung: Spät, sehr spät in der Nacht (1987-1989) ist geprägt von Trauer und dem Bewußtsein um Verluste, aber die einfache Art, mit der Ritsos das Leben und die Welt um ihn dichterisch spiegelt, vermittelt ein Hoffnungsschimmer in einem letzten schöpferischen Willensakt.

Doch der Dichter erlebt hilflos und schließlich resigniert die schmerzliche Verminderung seiner Gesundheit und den Zusammenbruch seiner politischen Ideale. Er stirbt an gebrochenem Herzen in Athen, am 12. November 1990.


© Guy Wagner, 1998

Leseempfehlung: Jannis Ritsos: Deformationen. Eine innere Biographie. Gedichte Texte Begegnungen 1930-1990. Ausgewählt und herusgegeben von Asteris Kutulas. Übertragen von Asteris und Ina Kutulas. Romiosini, Köln, 1996. ISBN 3-923728-68-9



Sitedesign:
www.grafix.fr

© Guy Wagner - FILIKI 1996-2009