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"Epitaphios" - Zwei Schallplatteneinspielungen





Die Einspielung Mouskouri-Hadjidakis von "Epitaphios"
Theodorakis hat Manos Hadjidakis seine Lieder zu "Epitaphios" geschickt, und dieser hat eine Schallplattenaufnahme davon gemacht. Als Interpretin hat er dafür die damals blutjunge Nana Mouskouri gewählt, die mit ihrer elegischen, "süßen" Stimme, begleitet von Gitarre, Cello, Baß und Xylophon, eine lyrische Fassung bietet, "ein Epithalamos, die Klage einer Schwester über den Bruder, einer Liebenden über den Geliebten, eher denn die Klage einer Mutter über ihren Sohn."

Theodorakis aber, der bei der Herstellung der Aufnahme dabei war, mit der Interpretin fast einen Monat gearbeitet hatte und die ersten Teile der Produktion gehört hat, ist nachher unzufrieden.

Er hat eine andere Klangvorstellung, eine andere Vision von diesem Werk. Für ihn fehlt der Aufnahme das Eigentliche, das Wesentliche, das "Griechische". So beschließt er denn, parallel dazu, eine zweite Schallplatte zu machen und stellt dafür selbst ein Orchester zusammen. Er wählt als Soloinstrument die Bouzouki, das Instrument des Lumpenproletariat als "Wesenselement." Er wählt als Solisten den authentischsten Spieler Griechenlands, Manolis Chiotis.

"Ich erinnere mich an meine erste Begegnung mit Chiotis 1959 in einem kleinen Studio der Columbia, in der Lykourgou-Straße. Behutsam holte er seine Bouzouki aus dem Futteral, nahm sie zärtlich wie ein liebes, kleines, zerbrechliches Wesen in seine Hände, und dann ... wurde der Raum erfüllt von kristallklaren Klängen und bunten Lichtern.

Ich spielte ihm >Epitaphios< vor.

>An dieser Stelle<, sagte er zu mir, >darf der Rhythmus nicht so sein, wie du ihn spielst ...<

>Wie denn?<

>Das ist der Rhythmus eines >zeibekiko<, eines richtigen >zeibekiko<. Hör mal diese Passage ...<

Er spielte verschiedene Stücke aus meinem Werk, die unter seinen verzauberten Händen ihre wahre Seele offenbarten und für immer den Rhythmus eines >zeibekiko< erhielten. So verband sich das musikalische Genie Chiotis' untrennbar mit meinem Werk."

Sodann erinnert sich der Komponist auch an jenen mutigen jungen Soldaten, der ihm auf dem Weg in die Deportation zu trinken gegeben hatte. Er verpflichtet Grigoris Bithikotsis, der dabei ist, sich in Griechenland einen Namen zu machen, als Solisten.

"Die Stimme von Bithikotsis hat für mich einen ganz eigenen Reiz. In ihr singt jeder von uns: der Matrose, der Bauer, der Chauffeur, der Student, der Soldat, der Händler - es ist der Grieche unserer Tage, ob uns das nun zusagt oder nicht."

Die Darbietung ist eine Sensation:

"War der erste >Epitaphios< lyrisch und hochzeitlich, so ist der zweite für die Märkte und Straßen, wo der junge Mann lebte und liebte, bevor er eine Kugel ins Herz bekam und starb."


© Guy Wagner. Aus: Mikis Theodorakis. Ein Leben für Griechenland. Ed.PHI Luxemburg, 1995



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