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Zu "Zorba"





Zorba-Ballett
Theodorakis' Musik zu Cacoyannis Film "Zorba the Greek" wurde ein Welterfolg, Zorbas Tanz zum Inbegriff der griechischen Musik schlechthin, und der sogenannte "Sirtaki" wird heute von Millionen als griechischer Tanz "par excellence" angesehen.

Dabei ist der "Sirtaki" ein reines Kunstprodukt. Den Tanz gibt es in der Volksmusik Griechenlands nicht. Er ist eine vereinfachte Form des Zei(m)bekiko, dessen Tanzschritte so zusammengestellt wurden, daß sie zwar noch an den Ablauf des ursprünglichen Tanzes erinnern, aber so vereinfacht sind, daß fast jeder sie nachtanzen kann.

Für den Film-Tanz selbst hatte Theodorakis ursprünglich eine ganz andere Musik vorgesehen:

"Cacoyannis kam eines Tages zu mir und sagte: 'Morgen drehen wir die Schlußszene. Ich brauche dazu einen langsamen Tanz, einen Hassapiko, der dann immer schneller wird. Wir drehen die Szene im Playbackverfahren. Ich gehe mit drei Musikern ins Studio und greife eine alte Melodie aus einem anderen Film, 'Vorstadt der Träume', einen kretischen Tanz auf, den Anthony Quinn sehr liebte, und machte darüber eine Improvisation, immer noch mit dem Hintergedanken, später eine eigene, spezifische Komposition zu schreiben. Als wir aber das Filmergebnis sehen, ist der Tanz auf diese alte Melodie so hinreißend, daß wir nichts mehr daran ändern wollen." (Theodorakis im Gespräch mit Guy Wagner, Paris, 2.und 3.11.1980)

Dabei illustriert die Filmmusik ebenfalls ein Stilprinzip des Komponisten. Wer die Partitur von "I Ghitonia ton Angelon" kennt, entdeckt darin eine Melodie: "Strose to stoma sou", deren Einleitung sehr stark an den Hassapiko in Zorbas Tanz erinnert. Hiermit verfolgt der Komponist eine Absicht:

Für Theodorakis ist seine ganze musikalisch-kompositorische Tätigkeit ein Gesamtwerk, ein "opus magnum". Immer wieder werden Themen, die schon bekannt sind, in Filmmusiken eingewoben, oder Filmthemen, die erfolgreich sind, werden nachträglich zu Teilen anderer Werke. Damit will Theodorakis Assoziationen wecken, Verbindungen herstellen, Beziehungen verdeutlichen. Dieses Verfahren hat Tradition: Beethoven benutzte, beispielsweise, ein fast identisches Motiv in den "Geschöpfen des Prometheus", der 3. Sinfonie "Eroica" und in den Klaviervariationen op.35.

Bei Theodorakis kann man in diesem Zusammenhang tatsächlich von einem Gestaltungsprinzip sprechen, denn auch hier tritt sein Hauptanliegen, die "Einheit", die Symbiose seines Schaffens auf allen Ebenen, deutlich zutage.

Theodorakis selbst beurteilt den Erfolg dieser Musik mit sehr gemischten Gefühlen:

"Zorbas wurde für mich mein größter Erfolg und meine größte musikalische Tragödie. Gewiß, die Musik machte mich weltweit bekannt, und mein Name wurde populär.

Tausende haben an diesem Gütezeichen verdient. Wieviele Zorbas-Schenken und -Gaststätten es gibt, ist kaum noch auszumachen. Wieviele Musikfassungen des Tanzes heute überall verbreitet sind, weiß niemand mehr zu sagen. Ich selbst aber kam am schlechtesten dabei weg. Die Filmgesellschaft beutete das Werk bis zum Letzten aus, ohne daß sie mir die Tantiemen zukommen ließ, und es hatte keinen Sinn, über Anwälte mit diesen Giganten zu streiten, ich hätte noch mehr daran verloren.

Schlimmer aber war, daß man mich ganz einfach mit der Zorbas-Musik identifizierte. Für die Musikwelt war ich der Mann, der Zorbas komponiert hatte. Darauf legte man mich fest, um mir ernsthafte Musikanliegen ganz einfach abzusprechen. Noch heute leide ich unter diesen Vorurteilen und stoße auf ungläubiges Erstaunen, wenn ich beispielsweise auf mein sinfonisches Schaffen hinweise." (Theodorakis im Gespräch mit Guy Wagner, Paris, November 1980)


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