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Zu KOSTAS KARYOTAKIS





Ovation für Theodorakis (13.12.2000)
In das Libretto "Die Metamorphosen des Dionysos" von Mikis Theodorakis sind verschiedene Gedichte von Kostas Karyotakis sowie zwei Fragmente - die beiden letzten Zitate der Oper - von Kostas Varnalis (1884-1974) aus dem Gedicht "Das gute Volk" mit einbezogen.





Kostas Karyotakis (1896-1928) besuchte in Athen und der kretischen Stadt Chania die Schule und studierte zwischen 1913 und 1917 Jura in Athen. Er veröffentlichte ab 1913 Gedichte in verschiedenen Zeitschriften. Sein soziales Engagement führte 1928 zu einer Zwangsversetzung in die Provinzstadt Preveza, was einer Verbannung gleichkam und ihn in den Selbstmord trieb.

Aus den drei Gedichtbänden des Dichters - "Der Schmerz des Menschen und der Dinge" (1919), Trauerlos (1921) und Elegien und Satiren (1927) - vertonte Theodorakis 1983 eine Reihe von Liedern.

1985 komponierte er eine in dieser Fassung verworfene opera buffa "Karyotakis", die 1986 in die zweiaktige Oper "Die Metamorphosen des Dionysos (Kostas Karyotakis)" einging.

Dasselbe geschah mit zwei weiteren Liederzyklen von 1984, mit "Phädra" (Text: Angeliki Eleftheriou) und "Dionysos" (Text: M. Theodorakis).

Diese erste Oper von Mikis Theodorakis (es folgten 1990 "Medea", 1993 "Elektra" 1996 "Antigone" und 2001 "Lysistrata" ) ist inhaltlich eine freie Variation und eine eigen-willige Lesart griechischer Geschichte; eine Lesart, die von der aktuellen Situation des Jahres 1985 ausgeht.

Die Verschränkung und Entgegensetzung der Texte beider Autoren - diese Collage von Karyotakis-Gedichten und Theodorakis-Texten - sind zugleich das wesentliche Strukturmerkmal des Werkes, was sich in einem Vers des Komponisten folgendermaßen liest: „Die Farce wird zur Tragödie und die Tragödie zur Farce".

Das verweist auf die kompositorische Konzeption, die aus dem Gegensatz zwischen den Arien - den vertonten „tragischen" Karyotakis-Gedichten - und den musikalischen Farcen - der Musik zu den „sarkastischen" Theodorakis-Texten - lebt.

Die erste und die letzte Szene der Oper spielen in der Bucht von Preveza, an dem historischen Ort des Suizids.

Dazwischen liegen fünf weitere Szenen (die zweite des Ersten Aktes und die ersten vier des Zweiten Aktes), die der Figurenkonstellation des Beginns und dem Geschehen am Schluß der Oper eine innere Logik zu geben versuchen.

So wird die Fatalität und die „Wiederholung" der Geschichte deutlich gemacht durch beachtliche historische Brüche:

Die 1. Szene des Zweiten Aktes, die 1850 spielt, zeugt von der (Fremd-)Herrschaft des Königs Otto von Bayern, des ersten griechischen Königs, und seiner Frau Amalia und die 3. Szene von der Herrschaft ihrer „Nachfolger", des seit 1947 regierenden Königs Paul I. und seiner Frau, Königin Friederike-Luise, knapp hundert Jahre später zur Zeit des griechischen Bürgerkriegs.

Und dieses historische Ereignis hat Theodorakis, aber auch seine ganze Generation, wie kaum ein anderes geprägt.


© Asteris Kutulas


KOSTAS KARYOTAKIS, OPER, AST 271
Libretto: Mikis Theodorakis
Komponiert: 1984-9.7.1986 in Athen und Vrachati
Die Personen:
DIONYSOS, Baß
ROMIOSINI, Alt
DICHTER, Bariton
REPORTER, Tenor
PHÄDRA, Sopran
PUNENTES, Tenor
KÖNIG, Tenor
KÖNIGIN, Sopran
OFFIZIER, Bariton
PARTISANENFÜHRER, Tenor
CHOR: SOLDATEN, VOLK
Zeit der Handlung: 1928-1942-1850-1948-1980
Struktur:
AKT I
Szenen 1 & 2
AKT II
Szenen 3 bis 7
UA: 8.2.1987 in Athen
Kiki Morphoniou, Andreas Koloubis, Frangiskos Voutsinos, Stamatis Beris
Regie: Spiros Evangelatos, Dir.: Loukas Karytinos

KOSTAS KARYOTAKIS, OPER
Deutsche Übersetzung: Asteris und Ina Kutulas Kammerfassung von Henning Schmiedt für Solisten, Chor, Klavier, Cello, Kontrabaß, Flöte, Tuba, Trompete, 2 Saxophone, Posaune und 2 Percussionisten
Konzertante Erstaufführung: 47. Festspiele Europäische Wochen Passau 1999
Petr Migunow, Darja Rybakova, Wladimir Feljauer e.a.
Leitung: Mikis Theodorakis
Veröffentlichung des Mitschnitts vorgesehen für März 2005
Szenische UA der Kammermusikfassung: 13.12.2000 in der Saatsoper Athen.
Inszenierung: Gert Hof











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