| 1949
Winter
Mikis Theodorakis wird auf Makronissos im Lager D, bei
den »Unbeugsamen« festgehalten, im Zelt E5, »oberhalb
aller anderen, links außen, am Ende der Dritten Abteilung«.
Januar-Februar
Ermordung von fast 5000 Gefangenen auf Makronissos. Sie
werden zur »Umerziehung« in einer ins Meer mündenden
Schlucht versammelt, wo das Feuer auf sie eröffnet wird.
Die Überlebenden werden aufgefordert, eine »Gesinnungserklärung«
zu unterschreiben, wodurch sie in die Armee aufgenommen werden
können. Zum Schluß sind noch 35 Gefangene am Leben,
von denen später 15 hingerichtet werden.
26.03.
Theodorakis erleidet furchtbare Folterungen durch die
Sicherheitspolizisten. Er wird geschlagen, geprügelt; ein
Soldat trampelt auf ihm herum, bis er bewußtlos zusammenbricht.
Da er noch lebt, kann die Folter weitergehen. Der Erzquäler
Loris bricht ihm in einem Wutanfall das rechte Bein. Die Schindereien
gehen fast drei Wochen weiter. Ein Gefangener rettet ihn: »Ihr
begeht ein Verbrechen. Sein Kopf ist voll Musik.«.
Theodorakis wird in todkrankem Zustand nach Athen ins Militärhospital
401 gebracht. Dort bringt man die Sterbenden hin: Makronissos
darf nicht zu oft als Sterbeort genannt werden.
Während
der Monate April und Mai liegt Theodorakis im
Spital: »Drei Rippen waren gebrochen, das rechte Knie
ausgerenkt, das rechte Auge blutunterlaufen, und das Wichtigste,
die halbe Lunge kaputt.« (M.T.). Er erhält trotzdem
weitere Schläge, weil er sich bei einem Besuch von Papagos
beschwert hat.
Ende
Mai wird Theodorakis verurteilt, nach Makronissos zurückzukehren.
Zwischen
Juli und August leidet Theodorakis, wieder auf Makronissos
deportiert, unter Krämpfen und Ohnmachtsanfällen.
Eines Abends wird er von seinen Schindern lebendig eingegraben
und nur durch Zufall von einer Patrouille gerettet.
Er erleidet erneute Folterungen, wird als Sterbender
zurückgelassen, von einem Soldaten in eine Höhle geschleppt
und gepflegt. Dieser schickt eine Nachricht an Theodorakis'
Vater. Jorgos Theodorakis gelingt es, seinen Sohn aufs Festland
zurückzuholen.
Es
folgt die provisorische Entlassung als Invalide und der
erste Aufenthalt auf der Heimatinsel Kreta.
Doch Theodorakis muß erneut die »Falanga«-Folterung
durch die Gendarmen in Chania über sich ergehen lassen.
Seine Mutter erleidet einen Nervenzusammenbruch.
15.10.
Offizielles Ende des Bürgerkriegs.
1950
Theodorakis
besteht das Abschlußexamen am Athener Konservatorium
»cum laude«.
05.05.
Uraufführung von »Das Fest von Asi-Gonia«
am Athener Konservatorium.
Sommer:
Verpflichtung zum Militär nach Alexandropoulis an
der türkischen Grenze.
1951
Theodorakis
schluckt Schießpulver, um vom Militärdienst
befreit zu werden, fällt ins Koma und erwacht erst wieder
im Militärhospital 423 in Thessaloniki. Dort wird er in
die Abteilung der Geisteskranken überwiesen. Wieder hilft
der Vater. Mikis kommt nach Athen und von da nach Kreta,
wo er seinen Dienst abschließt.
August
Gründung der Vereinigten Linken EDA.
1952
Entlassung
aus der Armee. Theodorakis
wird bis 1960 am »Makronissos-Fieber«
leiden, das, von Lähmungserscheinungen begleitet, ihn tagelang
ans Bett fesselt. |