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Carnaval - Raven





Carnaval - Raven
Es ist nicht leicht, über die Musik von Mikis Theodorakis zu urteilen angesichts seiner abenteuerlich-traurigen Vita. Treffender als im Beiheft zu dieser CD könnte man es nicht ausdrücken: Musik als erlebte Geschichte.

‚Carnaval’, eine Ballettsuite für Orchester, entstand zwischen 1947 und 1953, einer Zeit, die geprägt war durch Inhaftierung, Folter und einem Selbstmordversuch. Die Musik ist nur an der Oberfläche oberflächlich. Sie zu ergründen, bedarf eingehender Beschäftigung, denn sie ist aus der Biographie Theodorakis´ erwachsen, tiefgründig und reif.

‚Raven’ hat eine noch längere Entstehungsgeschichte. Als kranker Gefangener der Junta schrieb Theodorakis im Januar 1970 Skizzen dieser Komposition, die in orchestrierter Fassung 1990 in Dresden zur Uraufführung kam und auf einem Gedicht von Giorgos Seferis basiert. Ende 1993 griff der Komponist die Komposition wieder auf und schuf daraus die endgültige Fassung für Mezzosopran, Flöte, Harfe und Streichorchester.

Der Komponist selbst dirigiert auf dieser Aufnahme aus dem Jahr 1995 seine beiden so unterschiedlichen Werke. Das Petersburger Orchester nimmt sich der Musik mit Ernsthaftigkeit an und müht sich redlich, mit der authentischen Wiedergabe durch den Komponisten Schritt zu halten. Die äußerst melodiöse Musik Theodorakis´ gestaltet das Orchester mit deutlich gesanglichen Linien und großer Spielfreude. Theodorakis ist aber nicht in jedem Moment der beste Interpret seiner eigenen Musik. Immer wieder lässt er der Präzision freien Lauf und fordert zu wenig Homogenität. Die rhythmisch vertrackte Eröffnungsfanfare von ‚Carnaval’ bereitet den Blechbläsern hörbar Schwierigkeiten. Zu wenig differenziert erscheint auch die dynamische Gesamtschau. Theodorakis formt Einzelepisoden und meidet die Einheit der Suiten-Sätze. Das muss man so hinnehmen, er ist der Komponist. Einheitlich dagegen zeigt sich die Gedichtvertonung ‚Raven’. Die Streicher tremolieren in subtiler Eintracht. Theodorakis kann hier den großen Bogen ziehen. Alexandra Gravas garantiert idiomatische Gültigkeit in der Aussprache, jedoch nicht in reiner Intonation. Das Timbre aber ist von weichem und doch volumenreichem Schmelz, in allen Lagen des Tonumfangs stimmsicher und präsent. Ein klein wenig mehr dramatische Ausdeutung hätte ihrer Interpretation gut getan.

Das Klangbild ist bestens ausgesteuert und das Booklet bringt hervorragende Einführungstexte, die immer wieder gespickt sind mit Selbstzeugnissen des Komponisten. Auf diese Weise erklärt sich die Musik im wahrsten Sinne als erlebte Geschichte."


Rezension von Erik Daumann (20.12.2003)

Interpretation: 2 Sterne
Klangqualität: 4 Sterne
Repertoirewert: 3 Sterne
Booklet: 5 Sterne

In: klassik.com



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