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Medea - Electra . Antigone
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TIEFGRÜNDIG UND DRAMATISCH
"Fünf Jahre lang lebte ich mit den Texten von Euripides und Sophokles, arbeitet mit und an ihnen. Diese fünf Jahre erscheinen mir jetzt als die besten meines Lebens'" so Mikis Theodorakis zu der Zeit, in der er seinen Opernzyklus über die drei griechischen Frauenfiguren Medea, Electra und Antigone schrieb.
Er löste damit ein künstlerisches Versprechen ein, das er nach der Premiere seines Zorba-Balletts am 6. August 1988 in der Arena von Verona gegeben hatte; nämlich drei Werke im Gedenken an die großen italienischen Opernkomponisten Verdi, Puccini und Bellini zu schreiben. Diese drei Opern liegen nun als Erstaufnahme im CD-Paket (8 Cd's) bei INTUITION classics vor.
Ausgangspunkt für die Entscheidung des Komponisten, einen solchen Opernzyklus zu schreiben, war die jahrelange intensive theoretische Auseinandersetzung mit der Möglichkeit, die altgriechische Tragödie mit zeitgenössischer Opernästhetik und Konzeption zu verbinden. So schrieb Theodorakis im Jahr 1986:‚Es ist festgestellt worden, dass die altgriechische Tragödie die Oper des Altertums war. Alle ihre Teile - nicht nur die chorischen - wurden gesungen. Die Tragödie war also eine erste Art von Oper [...]. Meiner Meinung nach wäre die ideale Interpretation der altgriechischen Tragödie jene, die eine gesungene Aufführung des ganzen Textes erlauben würde.'
Die erste Oper, die Theodorakis nach dreijähriger Arbeit 1991 vollendete, war Medea. Die Handlung von Medea ist geprägt von leidenschaftlicher Liebe, Eifersucht, dem Gefühl des Verratenwordenseins und blindem Hass. Medea hatte ihren eigenen Schwager durch eine List getötet, um dessen Taten gegen die Familie ihres Gatten Jason zu rächen, musste aber nach dieser Tat aus Angst vor Vergeltung mit ihrer Familie nach Korinth in das Reich von König Kreon fliehen. Hier verlässt Jason Medea und vermählt sich mit der Tochter des Königs. Um sich an Jason wegen dessen Untreue zu rächen, schickt Medea ein vergiftetes Gewand und eine vergiftete Krone an die Braut Jasons, die beim Anlegen der Geschenke zusammen mit ihrem Vater, der ihr helfen wollte, stirbt. Anschließend tötet Medea ihre beiden Kinder um dem völlig zerstörten Jason ihre Leichname zu präsentieren.
Von 1991 bis 1994 arbeitete Mikis Theodorakis an Electra, die am 2. Mai 1995 in Luxemburg uraufgeführt wurde. Von den zwei Textversionen, die von Sophokles und Euripides überliefert wurden, wählte Theodorakis die des Sophokles als Grundlage für sein Libretto aus. Electra ist die Tochter Agamemnon und seiner Frau Klytaimnestra sowie die Schwester von Orest und Chrysothemis. Als Agamemnon nach zehn Jahren aus dem Trojanischen Krieg heimkehrt, wird er von seiner Frau Klytaimnestra und deren geliebten Aigisthos umgebracht, die anschließend heiraten. Nach diesem Mord lässt Electra ihren Bruder Orest aus Sorge um dessen Leben zu ihrem Onkel Stroiphios und ihrem Cousin Phylades bringen. Sie selbst bleibt bei ihrer Mutter und wartet auf eine Gelegenheit, um ihren Vater zu rächen. Einige Jahre später erscheinen zwei Fremde und erklären Klyteimnestra, dass ihr Sohn Orest bei einem Wagenrennen ums Leben gekommen sei. Klyteimnestra zeigt sich hoch erfreut über diese Nachricht und bitte die beiden Fremden zu bleiben, um die Nachricht zu feiern. Electra hingegen ist erschüttert über die Nachricht vom Tod ihres Bruders und versucht vergeblich, ihre Schwester Chrysothemis zum Mord an ihrer Mutter zu überreden. Überraschend offenbaren jedoch die beiden Fremden Electra ihre wahre Identität: Es sind Orest und Phylades. Electra gelingt es schließlich, Orest zum Mord an Klytaimnestre und Aigisthos zu überreden.
Als Letzte der drei Opern wurde am 7. Oktober Antigone im Athener Konzerthaus uraufgeführt. Diesmal wurde nicht nur die Musik, sondern auch das Libretto von Theodorakis selbst geschrieben. Er lehnt sich dabei an mehrere griechische Sagenstoffe an, die zusammen den thebanischen Zyklus bilden. Zu Anfang der Oper verlässt Ödipus zusammen mit seiner Tochter Theben im Streit mit den Thebanern. Später tritt Eteokles auf, der sich zum Kampf um das von seinem Bruder Polyneikes belagerte Theben aufmacht. Iokaste, die Mutter der beiden verfeindeten Brüder, versucht verzweifelt, Eteokles und Polyneikes wieder zu versöhnen, was jedoch misslingt. Die beiden Brüder treten im Kampf gegeneinander an und bringen sich gegenseitig um, was Iokaste aus Gram in den Selbstmord treibt. Kreon, der inzwischen König von Theben geworden ist, gibt die Anweisung Eteokles ein Staatsbegräbnis zu bereiten, während es unter Androhung der Todesstrafe verboten ist, Polyneikes zu begraben. Antigone widersetzt sich Kreons Anweisung und wird zum Tode verurteilt.
Falls Sie sich bei diesen Inhaltsangaben an die Gespräche ihrer pubertierenden Töchter über Soap Operas wie Verbotene Liebe oder Gute Zeiten, schlechte Zeiten erinnert fühlen, so mag es auf den ersten Blick einige Gemeinsamkeiten geben: Eine Unmenge an Personen, die alle irgendwie verwand oder verschwägert sind, Feindschaften, die tiefe Gräben zwischen ganze Sippen treiben, und Liebschaften, die allesamt tragisch enden. Und doch steckt hinter diesen altgriechischen Sagen eine ganze Menge mehr Tiefgründigkeit und Dramatik, als in den modernen Teeny-Märchen. So ist der entscheidende Konflikt in dem Antigone zu Grunde geht, die religiöse Pflicht auf der einen und irdisches Recht auf der anderen Seite. Oder abstrakt ausgedrückt: Subjektiv empfundene Verpflichtung kontra objektiv zwingende Bindung.
Mikis Theodorakis vermag es dabei meisterlich, die unterschiedlichen Affekte, die seine Figuren während ihrer Entwicklung durchlaufen, musikalisch zu unterstreichen. Gerade in den Szenen, in denen die Figuren Entscheidungen treffen, die ihr weiteres Leben tief beeinflussen werden (wie z.B. dem Entschluss Medeas, ihre Kinder umzubringen) setzt er sämtliche Stilmittel - angefangen bei der Orchestrierung bis zur Wahl des verwendeten Tonumfangs der Solisten - ein, um auch die kleinste Nuancierung der seelischen Beweggründe herauszuarbeiten. Dieser Eindruck der feinen und genauen Auslotung der seelischen Untiefen, wird auch durch die disziplinierte Spielweise der von Mikis Theodorakis selbst dirigierten St. Petersburg State Academic Capella unterstützt. Auch den Solisten gelingt es trotz einiger kleinerer Intonationsmängel, die jeweiligen Figuren mit Leben zu erfüllen.
Ein dickes Lob verdient die opulente Ausstattung des CD-Paketes, das durch ausführliche und kompetente Einführungen glänzt und zudem die gesamten Libretti auf deutsch und englisch enthält."
Rezension von Sebastian Bielski (02.10.2000)
Interpretation: 4 Sterne
Klangqualität: 4 Sterne
Repertoirewert: 4 Sterne
in: klassik.com
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