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Korngold-Preis - Laudatio





Minister Jack Lang während seiner Laudatio (Photo: Guy Wagner)
„Verzeihen Sie zunächst, wenn meine unvollkommene Aussprache Ihrer schönen deutschen Sprache Ihnen in den Ohren weh tut.

Ich muss wohl, zumindest in Gedanken, dem milchigen Ouzo oder dem Retsina-Wein zu sehr gefrönt haben - jenen Getränken, die man unter dem schönsten Himmel der Welt teilt - als ich der Ehre zustimmte, Sie, lieber Mikis Theodorakis, zu begrüßen und zu würdigen.

Eine solche Aufgabe ist nur eines Sänger-Dichters würdig.

Ja, ich glaube, ich war trunken. Trunken vor Freundschaft und von Griechenland.

Und in diesem Augenblick bin ich es immer noch.

Mikis Theodorakis...

Musiker und Poet. Widerstandskämpfer und Streiter. Exilierter und Gefolterter. Minister und Abgeordneter. Friedensstifter. Sämann. Wieder-Erfinder einer Kultur.

Was davon auswählen? Was sagen, das nicht Ihre Ballette und nicht Ihre Balladen, nicht Ihre Kämpfe und nicht Ihre Wunden, nicht Ihre Botschaften und nicht Ihre Schreie, nicht Ihre Oratorien und nicht Ihre Lieder weglässt... Das Schlusskapitel der letzten Biographie, die Ihnen gewidmet ist, trägt den Titel: "Eine lebende Legende". Womit also beginnen und wo aufhören? Im Leben eines Mannes, der sein erstes Musikwerk mit 13 Jahren schrieb.

Ein Mann, der noch nicht 18 war, als er zum ersten Mal verhaftet und gefoltert wurde, weil er für die Freiheit kämpfte.

Erlauben Sie mir daher, mein Herz reden zu lassen - kardia mou. Nach meinen zufälligen Erinnerungen, über einige Ihrer Wege.

In der Tat: Wie sollte man sich nicht auf den ‚Wegen des Erzengels' verlieren?

Ein Erzengel, ja, das sind Sie! Sie, der Sie den Namen ‚Geschenk Gottes' tragen. Sie, dessen Taufname Michel (Michael) ist, Sohn von Georg (Yorgos): Michael der über den Engeln stand; Georg, der den Drachen erlegte.

Vielleicht ist dies eine ‚Formel', mit der man einen Augenblick lang Ihre unzähligen Leben auf einen Nenner bringen kann: den Gesang und das Schwert; die Gerechtigkeit und die Schönheit.

Sie haben eines Tages gesagt: ‚Meine Lieder sind stärker als Panzer'. Und, in der Tat, sie waren es.

Erzengel siegen immer. Die Engel, die an den Himmel glauben, und die, die nicht daran glauben...

Wie Aragon, haben Sie die Sonne im Osten aufgehen sehen.

Aber vor sovielen anderen haben Sie gewusst, die die Morgenröte Schein war. Dass sie nicht die Aurora mit Rosenfingern der schönen Morgen des Odysseus war. Sie gehören zu denen, die wissen, dass der Glaube Berge versetzen kann.

Sie waren erst 11 im Frühling 1936. Und Yannis Ritsos erwähnte Sie bereits. Denn, in ‚Epitaphios' schreibt er: ‚Und dein Schatten, wie ein Erzengel, überflutete das Haus, und dort, auf deinem Ohr, leuchtete der Mimosa des Abendsterns.'

Alle Griechen singen Epitaphios. Die Wiedergeburt der griechischen Musik ist angebrochen. Mehr noch, eine Kulturrevolution, die nicht mehr aufhören wird. In der sich das Antike und das Moderne, das Gelehrte und das Volkstümliche gegenseitig befruchten.

In Paris suchte ich in den letzten Tagen nach einem Wort, einem Satz, der Sie zusammenfassen könnte. Er war so einfach, dass ich nicht drauf kam: Sie sind Grieche. Das heißt, universell. Und eine der Stimmen und der Gewissen der Welt.

François Mitterrand wusste es.

Ich widerstehe nicht dem Vergnügen, Ihnen die Worte in Erinnerung zu rufen, die er nach einem Abend niederschrieb, den er an Ihrer Seite verbracht hatte:

‚Mikis stand seinen Kameraden gegenüber und griff mit breiten Armen die Musik auf. Man hätte meinen können, er säe das Klangfeld ein. Mit den Fingerspitzen zog er jede Note an sich, die von den Bouzoukis und den Gitarren zu ihm herüberkamen, und knotete sie zu Garben, die ein Satz wieder auflöste. Seine hohe Gestalt beugte sich, richtete sich auf, so als wolle sie einen Zweikampf meistern. Auf seinen Zügen spiegelten sich die Bilder des Leidens, des Lachens, des Angriffs, der Abwehr, und er schien ganz in diesem brüderlichen Corps-à-corps aufzugehen, als er sich seinerseits zu uns umdrehte und zu singen begann.'

Das Brüderliche und das Sublime. Das Blut und das Lachen. Die Wachsamkeit und der Kampf. Alle diese Worte, die man für Sie verwenden möchte, wurden hier von François Mitterrand ‚in Musik' gesetzt.

Ich hätte Ihre kameradschaftlichen Partnerschaften mit Semprun, Neruda oder Elytis erwähnen können, ja, müssen; ihren Kampf um die Versöhnung zwischen dem griechischen und dem türkischen Volk, gemeinsam mit Ihrem Freund, dem großen Musiker Zülfü Livaneli; ich hätte daran erinnern müssen, dass der Friedensnobelpreis Ihnen zu Recht zustünde... und über die ganze Größe ihrer Kunst sprechen müssen. Und hätte dabei den Eindruck gehabt einer posthumen Ehrung. Wohingegen... Mikis Theodorakis: Sie sind hier, lebendig, unter uns, größer denn je.

Yannis Ritsos hörte 1948 in einem jener Gefangenenlager, deren Grauen und Ehre Sie teilen, folgenden Befehl: ‚Schreib, damit der Tag anbricht!' Auch heute noch, Mikis, schreiben Sie, denken Sie, handeln Sie, damit der Tag anbricht.

Im Namen Europas, im Namen der Menschen, im Namen einer gewissen Idee von Europa, dieser Vision der Menschheit, die uns eint und die Sie verkörpern

Dank, vielen Dank, Mikis Theodorakis:

Efkaristo, Efkaristo para poli, Mikis Theodorakis."

© Jack Lang, 2002



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