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"Kleine Kykladen"





Dora Giannakopoulou
In „Archipelagos", wie in „Mikres Kyklades", auf die herrlichen Texte des späteren Nobelpreisträgers Odysseas Elytis, sind Lieder vereint, die durch die griechischen Inseln beeinflusst sind. Die Folklore der Inseln bildet so die Grundlage für höchstpersönliche und gleichzeitig sehr authentische Musikschöpfungen.

Die „Kleinen Zykladen", geschrieben 1963, gingen auf einen öffentlichen Aufruf von Theodorakis an die griechischen Dichter zurück, sie möchten ihm unbekannte Gedichte in Liedform zuschicken, damit er daraus Lieder machen könnte. Odysseas Elytis antwortete spontan, nachdem Theodorakis bereits von ihm einen Text zu einem Lied verarbeitet hatte: „Zwischen Syros und Tzia", das in „Archipelagos" Aufnahme gefunden hatte.

Elytis schickte Theodorakis sieben Gedichte zu, die so einfach wie natürlich klingen, die so unschuldig wie fröhlich erscheinen, und Mikis machte daraus einen seiner innigsten und glücklichsten Liedzyklen.

In ihm spiegelt sie auf natürlichste Art jene innere schöpferische Freude, die sein ganzes Schaffen der 60er Jahre charakterisiert: Theodorakis ist glücklich, den Schritt weg von der Pariser Avantgarde gemacht zu haben und zurück zu den griechischen Wurzeln gekehrt zu sein und mit der schier unglaublichen Kreativität, die ihn zu dieser Zeit beflügelte, seinen Landsleuten eine originelle zeitgenössische Musik zu schenken, die Griechenland seinen Stellenwert innerhalb der Weltmusik zukommen ließ.

Die sieben Lieder von „Mikres Kyklades" singen von Sonne, Meer und Liebe, der Schönheit des Alltäglichen und der täglichen Kraft des einfachen Lebens. Elytis Sprache ist wundervoll, und ebenso wundervoll in ihrer schlichten Intensität sind die Melodien von Theodorakis, die sehr schnell in aller Griechen Munde waren. Jeder kennt „Marina" oder den „Kleinen Nordwind". Tausendmal gesungen, gespielt, aufgenommen, sind diese Lieder frisch geblieben wie am Abend ihrer Entstehung am 23. Dezember 1963 in der Taverne „Symposio", als sie von Dora Giannakopoulou gesungen wurden, die auf der Gitarre begleitet wurde von Notis Mavroudis.

Knapp ein Jahrzehnt später gab der Dichter diese Lieder in Buchform („Ta Ro tou Erota") heraus, zusammen mit all jenen Gedichten, die von ihm geschrieben worden waren, um Lieder zu werden. Im Vorwort notierte er:

„Die Engel singen. Die Verliebten auch. Hinter jeder Aufwallung von Zärtlichkeit, jeder Leidenschaft, wartet eine Gitarre darauf, die Worte aufzugreifen und sie von Lippe zu Lippe reisen zu lassen. Und das ist doch etwas Wunderbares. Es ist die Freude, anderen Freude zu machen, und es ist das, was uns am Leben hält. Gerade darum habe ich versucht, neben meinen Gedichten und ihnen zugleich sehr nah, einige Lieder zu schreiben, die deren Wert nicht schmälern sollten. Jedenfalls, versucht man, ob mit einfachen Liedern oder komplexeren Gedichten, von den Dingen zu reden, die jeder liebt. Danach hängt alles von den Zuhörern ab."


© Guy Wagner, 2002


Siehe: Axion Esti
Lesen: Biographie Odysseas Elytis



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