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Konzert für Klavier und Orchester (1958), AST 108





Theodorakis als junger Mann am Klavier
Mikis Theodorakis hat sein großes Klavierkonzert 1958 geschrieben, zur Zeit, als er sein Studium am Pariser Konservatorium abschloss.
Es ist ein Auftragswerk der britischen Pianistin Eileen Joyce, hat diese paradoxerweise nie erreicht.

In Bezug auf die vorhergehende Suite Nr.1, will der Komponist weit über ein einfach nur brillantes Werk hinausgehen und versucht ein völlig anderes Konzept, was sowohl das Soloinstrument als das Orchester betrifft.

Zur Zeit dieser Komposition hatte Theodorakis die Technik des Tetracords entdeckt, die er dann spontan im der ersten Satz Allegro ma non troppo anwendet. Dieser wird durch das Soloklavier mit sehr kurzen, spannungsgeladenen Intervallen eingeleitet. Diese Spannung bleibt dank des Kontrastes zu einer neuen faszinierenden Melodie aufrechterhalten, die von den Streichern entwickelt wird. Die Tetracordtechnik suggeriert in Verbindung mit dem lyrischen Charakter der Themen, die auf der griechischen demotischen (volkstümlichen) Musik fußen, eine innere Ruhe, die auch als Zeichen von Theodorakis’ Reife angesehen werden darf. Der Satz endet mit der Wiederholung des Anfangsthemas.

Die zentrale Episode, ein elegisches und dramatisches Andante, das sogar tragische Züge aufweist, verwendet das Zwölftonsystem, wodurch Theodorakis zu freien Kombinationen sowohl melodischer als harmonischer Natur kommt. Diese erlauben ihm, ein dramatisches Crescendo zu gestalten, das dem Solisten Gelegenheit gibt, sehr starke Emotionen auszudrücken.

Das Finale wird durch das Soloklavier eingeleitet. Dieses stellt auf der Grundlage kretischer Tanzrhythmen ein beeindruckendes Thema vor, das nach und nach von den verschiedenen Instrumentgruppen aufgegriffen wird. Es folgt eine Reihe kurzer melodischer Fragmente, die plötzlich durch eine rhythmische Intervention unterbrochen werden, in der die Bögen der Streicher als Schlaginstrumente funktionieren: diese fehlen nämlich in der Partitur. Eine pointierte Reprise der verschiedenen Themen gestattet dem Solisten, seine Virtuosität zu zeigen und führt zur triumphalen Wiederholung des ersten Themas des Anfangssatzes.

Dieses Finale erinnert sicherlich an das der Ersten Suite, aber im Gegensatz zum dionysischem Charakter der Suite, bewahrt das Klavierkonzert stets seinen lyrischen und reflexiven Charakter. Der Kreis ist damit geschlossen; das Werk endet abrupt wie ein Fragezeichen.

Das Klavierkonzert wurde 1966 durch Aliki Vatikioti und das Populäre Symphonische Orchester von Piräus unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt, aber erst in den 80er Jahren begann es, insbesondere unter dem Impuls von Cyprien Katsaris, populär zu werden.


© Guy Wagner - Neufassung: 2006-2007


KLAVIERKONZERT, AST 108
Komposition: 5.11.1957-21.3.1958
Neue Coda: Dezember 1996
Sätze:
1. Allegro ma non troppo
2. Andante
3. Finale
UA: Piräus, 1966
Aliki Vatikioti, Klavier, Populäres Symphonieorchester des Piräus
Dir.: Mikis Theodorakis
EA mit der neuen Coda: 25.5.1998
Queen Elisabeth Hall, London
Tatiana Papageorgiou, Klavier, The London Philharmonic Orchestra
Dir.: Mikis Theodorakis




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