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Eine große Interpretin der Weltmusik: Maria Farantouri
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Kutulas: Kannst Du uns etwas zu Deinem Programm sagen, das unter dem Motto "Poetica - Lieder meiner griechischen Heimat" steht und Dich durch mehrere deutsche und europäische Städte führen wird?
Farantouri: Den größte Teil meines Programms bilden neue Lieder. Einige davon sind auf meiner aktuellen CD "Poetica", die vor etwa einem Jahr veröffentlicht wurde, die ich aber, außer in Athen, noch nicht live vorstellen konnte. Neue, wunderschöne Titel von Mikis Theodorakis, die er 1995 geschrieben und die der Berliner Musiker Henning Schmiedt arrangiert hat. Desweiteren werden völlig unbekannte und noch unveröffentlichte Theodorakis-Lieder zu hören sein, die nächstes Jahr erstmals auf CD erscheinen werden. Ich mag diese Songs sehr, weil sie schöne Melodien und gute Texte haben und exzellent von Henning Schmiedt instrumentiert worden sind. Natürlich werden Mikis' bekannte Lieder nicht fehlen, präsentiert allerdings in neuem Gewand. Dafür sorgen die hervorragenden Musiker aus Berlin, mit denen ich zum Teil schon jahrelang zusammenarbeite und die bewandert sind in allen Stilrichtungen, in Jazz, Klassik, Weltmusik und Folklore. So wird dieses Programm nicht nur für das Publikum interessant und aufregend sein, sondern auch für mich. Ich fühle mich zur Zeit sehr „innovativ" und voller Kraft.
Kutulas: Aber Dein Programm besteht nicht nur aus Theodorakis-Liedern ...
Farantouri: Das ist richtig. Ich habe zu Hause und im Freundeskreis schon immer Rebetiko-Lieder gesungen und jetzt beschlossen, zum ersten Mal solche Lieder in mein Programm aufzunehmen. Auch das eine persönliche Premiere. Ich werde außerdem Lieder von Zülfü Livaneli singen, mit dem ich seit vielen Jahren zusammenarbeite und Anfang der achtziger Jahre eine CD aufgenommen habe. Hinzu kommen einige Songs von Manos Hadjidakis, einige seiner schönsten, glaube ich.
Kutulas: Wie siehst Du Deine jetzige Stellung in der musikalischen Szene Griechenlands?
Farantouri: Es hat sich in Griechenland viel verändert, und auch die Bedürfnisse der Menschen sind inzwischen andere, so daß ich mich scheue, die Situation zu werten, weil ich ein niederschmetterndes Bild skizzieren müßte. Es triumphiert, allgemein gesagt, das „Massenlied", und wir beobachten einen Ausverkauf der Werte. Jenes Lied, das in Griechenland die letzten Jahrzehnte überleben konnte, jenes authentische Lied voll Leben und Melodie, das sich auf die griechische Dichtung stützte, ist zurückgedrängt worden. Leider ist an dessen Stelle nicht ein annähernd aussagekräftiges Lied getreten, sondern eins von viel minderer Qualität. Aber eben dieses wird von der Plattenindustrie lanciert und gefördert. Trotzdem findet man immer wieder Songs mit guten Melodien, die vielleicht eine Chance in der Zukunft haben werden. Einige Kollegen und ich widerstehen, so gut wir können, dieser „Industrie", die sich im Grunde nur für gut zu vermarktende Musik interessiert, was man darunter auch verstehen mag. Ich versuche, jedesmal wieder Qualität mit gutem Marketing zu koppeln, ohne dabei aber einen Deut von meiner Kunst- und Interpretationsvorstellung preiszugeben.
Kutulas: Könntest Du mir etwas über Deine Kooperationen mit den verschiedenen Komponisten während der letzten Jahre sagen?
Farantouri: Vangelis Papathanassiou hat fünf Lieder für mich geschrieben, von denen ich drei auf meine CD „17 Lieder" mit aufgenommen habe. Diese hat er selbst mit seinem elektronischen Equipment instrumentiert. Wir planen ein größeres gemeinsames Projekt. Über die Zusammenarbeit mit Zülfü Livaneli habe ich bereits gesprochen. Zuletzt haben wir Konzerte in Paris und Frankfurt und im Sommer auf verschiedenen griechischen Inseln gegeben. Dort konnte ich seine neuen Lieder hören, die mir sehr gut gefallen haben. Lucio Dalla, der inzwischen ein Publikum mehrerer Generationen anspricht, hatte meine Interpretation von „Caruso" gehört und mir daraufhin ein Lied „geschenkt". Daraus wurde eine richtige Zusammenarbeit, bei der eine gemeinsame CD entstand. Ich arbeite aber auch gern mit jüngeren und moderneren Komponisten, wie Nikos Kipourgos oder Kyriakos Koukos. Letzterer ist ein mehr sinfonischer Komponist, dessen neustes Werk ich kürzlich im Athener Konzerthaus uraufgeführt habe.
Kutulas: Du hast in Europa lange keine Solo-Tournee mehr gemacht ...
Farantouri: Ja, fast zehn Jahre. Mikis brauchte mich während dieser Zeit, und ich spürte die Notwendigkeit, an seiner Seite zu sein. So habe ich die letzten Jahre fast ausschließlich gemeinsame Konzerte mit Mikis gegeben, z.B. 1994 bei einer Tournee durch die USA und Kanada, dann 1995 während einer Europatournee. Anschließend traten wir in mehreren Städten Australiens auf, wo ich seine sogenannten metasinfonischen Werke interpretierte. Und in den letzten Monaten führten wir den „Canto General" in Norwegen und München auf. Jetzt hat sich Mikis etwas zurückgezogen und macht eine Ruhephase durch, so daß ich wieder zu meinen eigenen Sachen komme. Ich muß sagen, daß ich von meinen unzähligen Konzerten bis Mitte der achtziger Jahre wunderschöne Erinnerungen in mir trage. Vor allem in Deutschland, wo auch einige meiner Platten veröffentlicht wurden, stießen unsere Lieder auf große Resonanz, und ich hoffe, daß wir daran anknüpfen können. Dieses Mal wird das europäische Publikum Gelegenheit haben, Neues zu hören, und aufgrund der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit meinen Musikern herrscht darüberhinaus ein sehr gutes Klima, was für mich außerordentlich wichtig ist.
© Asteris Kutulas, 1997
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