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Neues über Mikis Theodorakis (III)




15. Mikis ist vor etwa einem halben Jahr von einer großen deutschen Illustrierten um ein Statement über seine Beziehung zu Deutschland gebeten worden. Da mir seine Antwort als recht interessant erscheint, müchte ich sie hier wiedergeben:

"Ich habe während meiner zahlreichen Konzertreisen durch Deutschland viele Deutsche - einfache Leute, Künstler, Politiker - kennen- und schätzengelernt. Ich gab immerhin zwischen 1966 und 1994 dort mehrere hundert Konzerte. Und ich kann sagen, daß das deutsche Publikum für mich eines der besten ist, das ich je gehabt habe. Die Deutschen sind für mich aber auch Bach, Schubert, Mahler und vor allem Beethoven. Beethovens Neunte Sinfonie, die ich 1942 in einer griechischen Provinzstadt als Musikuntermalung zu einem deutschen Film gehört habe, führte zur Entscheidung, Komponist zu werden.

Zum andern finde ich es bemerkenswert und ungerecht, daß noch die heutigen (jüngeren) Generationen für die Verbrechen ihrer Vorfahren im 2. Weltkrieg mehr oder weniger direkt verantwortlich gemacht werden. Ich glaube, das müßte aufhören, denn damit würden sich viele Syndrome der Deutschen erübrigen, die die historischen Wahnvorstellungen mit sich bringen. Denn was Diktaturen betrifft, kann ich persönlich die riesige Unterstützung der deutschen Öffentlichkeit zwischen 1967 und 1974 gegen die griechische Junta nicht vergessen. Zudem konnte ich mich während meiner letzten Reisen durch Deutschland davon überzeugen, daß die deutschen Demokraten der beste Schutz gegen neofaschistische Tendenzen in ihrem Land sind."

16. Theodorakis' REQUIEM - eines der schönsten Theodorakis-Werke - soll (ohne Teilnahme des Komponisten) in Bremen aufgeführt werden. Ort und Datum sind mir leider noch nicht bekannt.

17. Ein neuer längerer Dokumentarfilm über Theodorakis ist vom Münchner Regisseur Peter Wortmann produziert worde. Der WDR in Köln wird ihn erstausstrahlen.

18. Theodorakis wird - wenn alles klappt - am 25., 26. und 27.7.97 in Augsburg, Wiesbaden und Halle (WF) sein ZORBAS Ballett (Chor, Orchester, Ballettensemble) selbst dirigieren.

19. EIN NEUES PROJEKT

Mikis Theodorakis & Rainer Kirchmann:

SONNE UND ZEIT

Den Liederzyklus "Sonne und Zeit" komponierte Mikis Theodorakis auf eigenen Texten im September 1967 im Athener Gefängnis der Sicherheitspolizei. Der Komponist stand noch unter dem Eindruck seiner kürzlichen Gefangennahme und der monatelangen vorausgegangenen Illegalität.

Auf der anderen Seite hatte er in der Zeit vor dem Putsch (April 1967) aber auch danach viel Rockmusik gehört und war von dessen anarchischer Substanz durch die Juntazeit noch bestärkt und inspiriert worden. So schrieb er wie im Rausch 32 lyrische Texte, von denen er 17 sofort vertonte und dabei eine rockmusikalische Umsetzung assoziierte.

Die "Sonne und Zeit"-Lieder nehmen eine besondere Stellung im umfänglichen Schaffen des Komponisten ein. Das Werk wurde 1970 mit Maria Farantouri als Solistin, später mit einem Arrangement seines Sohnes George aufgenommen und seit den siebziger Jahren nicht wieder aufgelegt. Es gilt als - international sowieso - unbekanntes Werk des Komponisten.

Mit zwei Musikern der Berliner Rock-Band "Pankow" - Stefan Dohanetz und Rainer Kirchmann - hat Theodorakis schon eine jahrelange Zusammenarbeit, sowohl bei Plattenproduktionen als auch bei Live-Konzerten.

Der lang gehegte Wunsch von Theodorakis, seine Lieder in einer Rock-Version umgesetzt zu sehen, fand sofort großen Anklang beim ehemaligen Pianisten der Rockband Rainer Kirchmann, der zusammen mit Theodorakis an einer Aufnahme von "Sonne und Zeit" (in Englisch und Deutsch) arbeitet, die im Mai-Juni 1997 realisiert werden soll.

20. Am Berliner Konzert (4.5.97) von Theodorakis und Livaneli werden Mitglieder des Chores der Deutschen Oper Berlin teilnehmen. Mikis schrieb an die Choristen folgenden Brief:

"Liebe Freunde, ich war sehr bewegt, als ich erfuhr, daß Sie an unserem Berlin-Konzert, das ich zusammen mit Zülfü Livaneli geben werde, teilnehmen. Abgesehen von dem musikalischen Interesse, das sich aus einer Begegnung zweier nationaler Schulen ergibt, hat dieses Konzert eine besondere politische Bedeutung, wenn man bedenkt, daß die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern - Griechenland und Türkei - sich immer mehr verschlechtern und nicht ausgeschlossen werden kann, daß eines Tages Krieg ausbricht.

In diesen kritischen Augenblicken ist es besonders wichtig, wenn deutsche Künstler an dieser griechisch-türkischen Veranstaltung teilnehmen. Ich möchte Sie bitten, dafür Sorge zu tragen, daß Ihre Teilnahme über die künstlerische Dimension hinaus auch die ihr entsprechende gesellschaftliche Bedeutsamkeit erlangt, zumal die deutsche Regierung viele Möglichkeiten hat, bei der Entspannung der Krisensituation mitzuhelfen.

Mit Hochachtung und meinen besten Grüssen - Mikis Theodorakis"

21. In Arbeit ist eine Doppel-CD mit Kammermusikwerken von Mikis. Sextett, 2 Sonatinen für Violine und Klavier, Trio, Kleine Suite für Klavier etc.

22. Bereits aufgenommen sind die 10 Eluard-Lieder des Komponisten von 1958. Gesungen hat sie Elena Kiriakou-Karachalios, Klavier hat gespielt Demosthenes Stephanides.

Die CD, die auch Ravel Lieder ("Chansons grecques") beinhalten soll, wird sehr bald erhältlich sein.

23. Und nun in eigener Sache: Fast fertig ist mein Theodorakis-Werkverzeichnis, das noch in diesem Jahr beim Athener Livanis Verlag erscheinen soll.

24. Ebenfalls fast fertig ist ein bibliophiles Buch mit frühen Gedichten (griechisch-deutsch) des Komponisten (1939-1949) und Originalgrafiken des deutschen Malers Gottfried Bräunling. Das Buch erscheint in einer einmaligen und signierten Auflage von 100 Exemplaren und heißt SIAO nach dem ersten Gedichtband von Mikis aus dem Jahre 1942.

Diese dritte Asti Page wurde am 19.5.1997 fürs Internet fertiggestellt.

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