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Theodorakis auf Ikaria
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1943 studierte ich Musiktheorie am Athener Konservatorium (Odeon) bei Philoktitis Ikonomidis.
In Tripolis hatte ich bereits ein Jahr zuvor mit Übungen auf dem Harmonium begonnen. In dieser Zeit verstärkte sich mein Wunsch, Komponist zu werden, noch einmal. Mit dem Orchester des Athener Konservatoriums hatte ich außerdem erstmals in meinem Leben Gelegenheit, ein Symphonieorchester live spielen zu hören - und war überwältigt.
Im Kammermusik-Seminar begann ich mich dann mit Sonaten für Trio und Quartett auseinanderzusetzen. Oft organisierten meine Freunde und ich musikalische Abende in Privathäusern. Das waren unsere interessantesten "Freizeitbeschäftigungen" während der deutschen Besatzungszeit.
Da ich mir außerdem Arbeit suchen mußte, um durch den, wenn auch geringen, Verdienst meine Familie vor dem Hungertod zu retten, und ich mich auch in der nationalen Widerstandsbewegung engagierte, unterlag meine Studienzeit einem chaotischen Rhythmus. Trotzdem legte ich die Prüfungen in Harmonielehre, Kontrapunkt und Technik der Fuge ab und bestand sie.
In der Zeit nach der Befreiung Athens von den deutschen Besatzern, im Jahre 1944, erschienen in Griechenland dann auch die neuen Partituren und Schallplatten der Werke von so bedeutenden Komponisten wie zum Beispiel Claude Debussy.
Meine Kommilitonen ermunterten mich, Kammermusikwerke zu komponieren. Wir schlossen uns in einem Saal ein, um mein jeweils neuestes Werk erklingen zu lassen und zu hören. Der direkte Kontakt zu den Musikern war mir sehr wichtig, da ich so die Möglichkeiten und Techniken der Instrumente immer mehr kennenlernen konnte.
Ich kann mich nicht erinnern, je eines dieser Werke meinen Lehrern, die sehr kritisch waren, vorgestellt zu haben. Nur Kostas Kidoniatis, der der jüngste war und uns auch sehr nahe stand, wurde diese Ehre zuteil.
Das im Jahre 1947 komponierte Trio wurde 1951 uraufgeführt.
Bereits seit 1946 gehörte ich der Untergrundbewegung an. 1947 wurde ich festgenommen und nach Ikaria verbannt. Zur gleichen Zeit, als ich das Trio schrieb, komponierte ich die Präludien für Klavier.
Ich glaube, daß ich damals den richtigen Weg eingeschlagen habe. Aber wie schon erwähnt: ich wurde verhaftet und deportiert.
Auf der Verbannungsinsel Ikaria bekam ich von dem Maestro und Hochschullehrer Georgios Likoudis die Nachricht, daß ich für ihn das Trio für Blasorchester umschreiben solle. Unter den äußerst harten Bedingungen der Verbannung war es ein schwieriges Unterfangen, das Manuskript zu Myrto, einer Medizinstudentin, die später meine Frau wurde, nach Athen zu schicken. Sie übertrug die mit Bleistift geschriebenen Noten mit Tinte. Aus mir unerfindlichen Gründen durfte Likoudis das Stück dennoch nicht mit dem Staatsorchester aufführen.
Die Bedingungen, unter denen ich in der damaligen Zeit lebte und die Entwicklung meines kompositorischen Schaffens während all der politischen Ereignisse, die sich in meiner Heimat abspielten, habe ich ausführlicher in dem Buch "Die Wege des Erzengels" beschrieben (deutsche Ausgabe erschienen im PHI-Verlag, Luxemburg, ab 1987, und im Insel-Verlag, 1995).
Das Trio fiel jedenfalls der Macht des Vergessens zum Opfer und wartete, begraben unter meinen Papieren, um nach 40 Jahren wieder das Licht der Welt zu erblicken.
Ich kann in Worten kaum sagen, wie froh ich darüber bin.
© Mikis Theodorakis, 2001
TRIO FÜR KLAVIER, VIOLINE UND VIOLONCELLO, AST 41
Komponiert vom 12.1. au 23.2.1947 in Athen
Sätze:
1. Adagio
2. Allegro vivace
3. Andante mosso
4. Allegro vivace
UA: 8.4.1952 in Athen
Viron Kolasis, Violine, Kostas Kydoniatis, Cello, Aris Garoufalis, Klavier
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