Die Sonatine N°.2 für Violine und Klavier ist eine der letzten Partituren, die Theodorakis in Paris geschrieben hat, wo sie am 6. Januar 1959 uraufgeführt wurde.
Sie zeigt, zu welcher Meisterschaft der junge Komponist gelangt ist und wie weit sich seine musikalische Handschrift entwickelt und gefestigt hat, auch wenn die Pariser Jahre für ihn schwer waren und seine Kontakte zu den „großen Manitus“ des Konservatoriums, mit Ausnahme von Eugène Bigot, schwierig waren.
Sei’s drum: Diese Sonatine gehört zu Theodorakis' gelungensten Kammermusikwerken und zeigt mit welcher Leichtigkeit er die Grundlagen der Musik seiner Heimat zu verbinden versteht mit den am weitesten nach vorne weisenden Kompositionstechniken.
Vier Sätze:
Zuerst ein „Andante cantabile“, das zu einem „Poco piu mosso“ von besonderer Intensität führt, danach ein „Allegretto grazioso“, das in der Tat sehr anmutig ist und in dem die beide Instrumente schon eine große Unabhängigkeit erreichen, die ihnen noch mehr Expressivität erlaubt. Der dritte Satz, ein sehr kurzes „Andante con moto“, ist von einer besonders schönen Melodie getragen. Ein glänzendes „Allegro con brio“, das man später in der symphonischen Musik von Theodorakis wiederfinden wird, schließt das Werk ab.
Dieser Satz ist wie eine Synthese der schöpferischen Entwicklung des Komponisten. Er stellt besonders hohe Anforderungen an die Violine und das, um so mehr, als die beiden Instrumente immer unabhängiger von einander werden, bevor sie sich wiederfinden, und die Violine zwei Passagen für sich allein hat, die wie Kadenzen sind, derart scheinen sie „improvisiert“.
Während des ganzen Werkes, aber insbesondere hier, gibt Theodorakis der Violine die Funktion einer kretischen Lyra, deren Klang dem der Leier ähnelt. Die so erzielte Wirkung ist verblüffend.
© 2000, Guy Wagner
SONATINE N°.2 FÜR VIOLINE UND KLAVIER, AST 114
Komposition vollendet am 10.8.1958 in Paris
Sätze:
1. Andante cantabile
2. Allegretto grazioso
3. Andante con moto
4. Allegro con brio
UA: 4.1.1959 in Volos
Sprios Tobra, Chara Tobra
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