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»Oedipus Tyrannos«





Philoktidis Ikonomidis
Das einzige Werk der Pariser Zeit von Mikis Theodorakis, das auch bei den Rezensenten Anklang findet, ist »Oedipus Tyrannos«.

Auch in den Augen von Theodorakis selbst stellt es eine der geglücktesten Synthesen zwischen seinem griechischen Wesen und Naturell und seiner erworbenen »westlichen« Kompositionstechnik dar.

Die Skizzen dazu hatte der Komponist in den Jahren 1946 bis 1948, großenteils im Untergrund entworfen, als er als »Kommunist« gejagt wird. Sie fußen teilweise auf früheren Kompositionen, etwa dem ersten Satz: »Präludium und Choros« seines Sextetts für Flöte, Klavier und Streichquartett, aus dem die »Symphonietta« hervorgehen wird. Der gleiche thematische Kern wird 1982 in die »Sadduzäer-Passion« integriert werden.

Als sein Mentor Philoktidis Ikonomidis im Dezember 1957 stirbt, stellt Mikis zu seinem Gedenken das etwa zehnminütige Werk in der Fassung für Streicher fertig.

»Oedipus Tyrannos« ist von großer Expressivität und spiegelt das tragische Element der Dramenfigur von Sophokles wider, ohne daß Theodorakis aber eine »Programmusik« geschrieben und die Themen illustrativ eingesetzt hätte.

Der Komponist will bewußt eine »Atmosphäre« schaffen, durch die er eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der tragischen Gegenwart schlägt.

Daher sind die Anklänge an byzantinische Harmonik unüberhörbar, diese sind aber als solche in die Dramaturgie der Komposition völlig integriert.

Zwei Themen stehen sich gegenüber, die, wie im Klavierkonzert, auf einer lydischen Skala fußen und schon auf die erste Sinfonie hinweisen.

Das Werk wird am 8. Dezember 1958 zu Ehren von Ikonomidis uraufgeführt.


© Guy Wagner, 1995

OEDIPUS TYRANNOS, AST 103
Komposition: 1956-13.10.1958
Tempobezeichnungen:
Andante sostenuto - Poco meno - Tempo primo - Poco a poco piu mosso - Piu animato - Tempo primo ma poco piu mosso
UA: 8.12.1968 in Athen
KOA, dir.: Andreas Paridis



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