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Zu »Der Marsch des Geistes«





Angelos Sikelianos
Das schönste Werk, das Theodorakis in der Zeit der Verbannung von Zatouna komponierte, ist »Arkadia V«: »Pnevmatiko Emvathirio« (Der Marsch des Geistes) auf ein episches Gedicht in freien Versen von Angelos Sikelianos von 1948, das den Mythos des Prometheus in einer überzeugenden Bildersprache neu darstellt.

Hier erreicht Theodorakis die Größe von »Axion Esti«. Er selbst nennt sein Werk ein »Chanson-fleuve« (ein »Liedfluß«), man sollte aber von einer metasymphonischen Komposition sprechen. Auch hier sind Sinfonieorchester, Volksorchester, zwei Volkssänger, ein Oratoriensänger und ein Männerchor vereint.

Auch hier benutzt der Komponist Volksinstrumente, die mit dem Auftritt des Oratoriensängers in der Funktion des »Psaltis« eine Stimmung erzeugen, die sowohl balladesken als religiösen Charakter hat. Dazu trägt der unerbittliche Rhythmus entscheidend bei.

Auch diesem Werk in acht Teilen liegt eine zyklische Form zugrunde - so entsprechen sich Text 1 und Text 8 fast wortgetreu, doch Theodorakis hat einen »Stimmungswechsel« verwirklicht, der überwältigend ist. Das Triumphierende, das gleich zu Beginn des Werkes aufgeklungen ist, führt zu einem melancholischen, nostalgischen, gebrochenen Mittelteil, in dem das Leiden des Volkes der Griechen gedeutet wird.

Heraus bricht der Aufruf: »Vorwärts! Helft uns, die Sonne über Griechenland zu erheben!« und strahlt eine solche Zuversicht und Kampfbereitschaft aus, daß diese Musik zum neue Kampflied der Patriotischen Front wurde.

Die Sätze 6 und 8 sind von besonderer Schönheit. Sie stellen eine Meditation dar, sind ein nachdenklicher Aufruf zum Mut und zur Kampfbereitschaft, kein Aufschrei zur spontanen Erhebung, sondern ein Flehen, aus dem Bewußtsein um das Leid heraus, das auf dem Kampfe fußt.


© Guy Wagner, 1995-2004



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